Das Quartet New Generation in Celle – ein hochmodernes Konzert in ehrwürdigem Schloss

Am 20. September gab das Quartet New Generation ein Gastspiel in Celle, das von Moeck Musikinstrumente +Verlag gesponsort wurde. Wie sehr die Musikerinnen ihr Publikum begeistern konnten, davon zeugt die Konzertbesprechung von Rolf-Dieter Diehl in der Celleschen Zeitung
vom 23. September 2009. Wir danken der CZ für die Erlaubnis, Ihnen diesen Artikel auf unserer Website zu präsentieren.

Quartet New Generation CELLE. Manchmal geschieht es, dass eine Konzertkritik sich wie von selbst verbietet. Dann überwiegt die Scheu, Einmaliges mit profanen Mitteln seiner Einzigartigkeit zu berauben, es gleichsam zu zerfleddern. Beim Konzert des Blockflöten Ensembles „Quartet New Generation“ im Schlosstheater anlässlich der Saisoneröffnung des Kammermusikrings war dieser Skrupel zu spüren. Das mit „Atem“ betitelte Programm stellte Alte und Neue Musik in einen berauschenden Kontext. Dabei spannte sich der Bogen von Renaissance-Kompositionen bis hin zu modernsten Tonschöpfungen. Und das Publikum wurde Zeuge eines fantastischen experimentellen Umgangs mit neuen Ausdrucksgesten, eines quasi impressionistischen Erkundens neuer Klangbilder. Ein mitreißendes Wechselspiel zwischen abstrakt freitonalen Kompositionen, die von einer prismatisch glutvollen Klangsprache geprägt waren, bis zu rhythmisch aufgeweckten Arrangements mit neoklassizistischen Elementen. Da wurde nicht nur schulmäßig durch das Mundstück geblasen, nein, mit einer unglaublichen Virtuosität machten die vier Damen auch Daumenloch und Fingerlöcher, Flötenklappen und Mundstück-Fenster und sogar die Zapfen zu klopfenden, singenden und zischenden Ventilen ihrer Musizierlust. Sie wechselten – ohne den Klang zu unterbrechen – binnen Minuten zwischen 20 Instrumenten, angefangen beim winzigen, hochklingenden Sopranino bis zum zwei Meter langen Subbass und der einer Orgelflöte nachempfundenen viereckigen Paetzold-Bassflöte.
Mit spürbarer Leidenschaft boten sie damit – etwa bei den „Airlines“ – ein reichhaltiges Kaleidoskop atemtechnisch erzeugter lautmalerischer Raffinessen, von sphärischen Regenwald-Impressionen bis hin zu Improvisationen wie bei einer ekstatischen Jazz-Session. Sie konnten Funken sprühen und spitz synkopierte Rhythmen meißeln und mit üppigen Trillern und Verzierungen aller Art die melodische Linie kunstvoll zerstückeln; sie konnten aber auch ein überaus weiches, berückend rundes lyrisches Legato singen, wenn sich die Melodie wie eine Blüte entfaltete, wo Töne schwebten, sich verwoben und im steten Wechsel von hellen und dunklen Klangfarben einfach verzauberte. Doch eben noch sanft gewiegt, führte die Zeitreise unversehens zurück in die Moderne, wo sich die kantablen Flöten durch brillante Finger- und Flatterzungentechnik wieder in „pfiffige“ Rhythmus-Instrumente verwandelten. Ein fantastisches Konzert-Erlebnis.

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