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Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik Rezensionen

 

von den Anfängen bis zur Gegenwart, Kassel 2020, Bärenreiter-Verlag / Verlag J. B. Metzler, ISBN 978-3-7618-2508-2, 832 S., € 49,99

 

 

Eine allumfassende Musikgeschichte zu schreiben, ist kein leichtes Vorhaben. Sie zu rezensieren ebenso wenig und ob die Verfasserin dieser Zeilen überhaupt qualifiziert ist, bleibt eine gute Frage. 

 

Sucht man nach Vergleichbarem, scheint es, als ob diese Erzählkunst aus der Mode gekommen ist. Gernot Gruber nennt es „meine Geschichte” der Europäischen Musik. Nach einem langen Forscherleben und Lehre hat er das Bedürfnis, die in Jahrzehnten gefundenen Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammenzusetzen. Seiner Meinung nach lässt sich eine Geschichte der Musik nur durch eine einheitliche Interpretationsmethode im Zusammenhang präsentieren, sodass sich ein lesbarer Gesamtzusammenhang erschließt.

 

Musik durch den kulturgeschichtlichen Blickwinkel zu betrachten und nicht automatisch innerhalb der Kunstgeschichte anzusiedeln, ist eine persönliche Wahl, bei der er sich an Fakten hält und ungeklärte Fragen, wie z. B. das ewige Thema der Aufführungspraxis, offen lässt und sich der Spekulation enthält. Er bleibt dicht an den Quellen in der weltlichen wie der geistlichen Musik und gibt ehrlich zu, dass für ihn wie für uns die Musikgeschichte ein komplexes Geflecht bleibt, aber eines mit dem man sich auseinandersetzen sollte.

 

Bei einem so großen Gebiet braucht es Mut zum Weglassen und Selbstvertrauen in die eigene Intuition. Grubers Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen, der Funke seiner Begeisterungsfähigkeit springt über und seine Schlussfolgerungen laden ein, sich noch mehr in das jeweilige Gebiet zu vertiefen, ganz egal, ob man ihm zustimmt oder anderer Meinung ist. Am schwächsten ist er, wenn er vage wird und sich auf das bloße Beschreiben beschränkt.

 

 

Gruber sieht Geschichte nicht nur als Erlebtes, sondern als Herausforderung. Das zeigt sich insbesondere im Ansatz einer Kulturgeschichte, die sich ausdrücklich auch auf Musik erstreckt, die allenfalls auf ein unscharfes Gedächtnis zurückgreifen kann: die Musik vor der Erfindung einer eigenen Schrift und die notierte Musik seitdem. So beginnt der Autor trotz des Buchtitels außerhalb Europas, in Mesopotamien und Ägypten, um sich von dort aus über Griechenland seinem eigentlichen Thema zu nähern.

 

Kapitelüberschriften  wie Ordnungssinn und musikalische Vielfalt zur Zeit der Karolinger, Kulturelle Sublimierung in einer ereignisreichen „Übergangszeit“ – hier geht es um die spannende Zeit zwischen 1350 und 1430 – oder Revolution, ideengeschichtliche Sattelzeit und musikalische Klassik, machen zu Recht neugierig.

 

Gernot Gruber beschreibt wie eng die musikalische Blüte an das Wohl und Weh politischer Mächte gekoppelt war. Gleichzeitig gelingt es ihm, den Bezug zum Tagtäglichen herzustellen. Als roter Faden zieht sich dabei die Frage nach dem Europäischen in der Musik durch die Kapitel, die Frage nach dem Verhältnis zwischen Pluralität und Identität im Gestern, Heute und Morgen. Stehen wir vor der Auflösung der „Europäischen Identität“ oder birgt der innovative Umgang mit dem global verbreiteten Kanon der Europäischen Musik eine Chance?

 

Bunt ist ein Begriff, den er häufig verwendet. Für ihn ist die Musikgeschichte mit regionalen und nationalen Eigenarten unterschiedlichen Genres und Protagonisten komplex und nicht immer in einzelne Farbschattierungen einteilbar, daher bunt. Gernot Grubers umfangreiches Buch zeigt Mut zur historischen Erzählung auf dem Gebiet der Musik. Es zeigt, dass sich eine zusammenhängende Geschichte überhaupt erzählen lässt. 

 

Mit Wikipedia zufriedene Leser werden sicher nicht zu diesem Buch greifen. Wer aber in größeren Zusammenhängen denken möchte, wird hier nicht enttäuscht. Sein Buch ist kein Nachschlagewerk, sondern eine persönliche Reflexion und eine Aufforderung zu eigenem kritischen Denken.

 

 

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