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Gottfried Finger: Sonata C-Dur Rezensionen

 

für Altblockflöte, Oboe, Violine und Basso continuo (Hg. Klaus Hofmann), Reihe: Recorders Library, Magdeburg 2018, Edition Walhall, Partitur und Stimmen, EW1049, € 14,50

 

TIBIA Lesern ist bekannt, dass Klaus Hofmann sich unter anderem dafür einen Namen gemacht hat, die Authentizität von Kompositionen der Barockzeit einer kritischen Überprüfung zu unterziehen, um etwa in puncto Autorenschaft oder Besetzung zu neuen, eigenen Ergebnissen zu gelangen. Dem mag sich der Musikologe anschließen oder nicht, diskussionswürdig sind Hofmanns Beiträge allemal. So stellt auch die vorliegende Ausgabe einer Sonate in C-Dur für Altblockflöte, Oboe , Violine und Basso continuo den Versuch einer Rekonstruktion dar: Die um 1700 überlieferte Urgestalt ist ein Trio für drei Violinen und Basso continuo in B-Dur. Der Argumentation Hofmanns im Vorwort kann gefolgt werden, dass die nicht idiomatisch violinistische Behandlung aller drei Oberstimmen für den eigentlich vorgesehenen Einsatz von drei unterschiedlichen Soloinstrumenten spricht. Zudem sind von Finger andere, originale Kompositionen in der Mischbesetzung von Bläsern (Blockflöten, Oboen) und Geigen überliefert, die in Fingers Londoner Zeit vor 1700 für den Hof der Interimsregentin Queen Anne entstanden sind. Die vorgelegte Fassung Hofmanns hat denn auch eine Transposition nach C-Dur verlangt und schafft für die beteiligten Solisten eine bequeme Situation.

 

Die Anlage der Sonate ist reizvoll: Ein eröffnendes Adagio schließt an die einfache Cantabilität der Adagio-Sätze eines Arcangelo Corelli an, es folgt ein vom Bass begleitetes Solo der Blockflöte (ein Largo nach Art einer kleinen Chaconne und ein furioses, atemloses Allegro, bei dem sich allerdings die Frage stellt, wie das auf einem Atem zu spielen ist, und ob es sich nicht doch um ein Violinsolo handelt … ?), gefolgt von einem homophonen Tutti im 3/2-Takt (nach Art einer Sarabande). Darauf tritt die Oboe solistisch hervor (Largo – Allegro), die „Sarabande“ wird wiederholt, sodann darf die Violine in schnellen, gebrochenen Dreiklängen und Skalen zeigen, was sie kann, Oboe und Violine mischen sich mit ebenso virtuosen Figuren ein, und beschlossen wird die Sonate im Tutti von einem kurzen Largo im 3/4-Takt.

 

Da die spieltechnischen Anforderungen – wie bei ähnlichen Stücken von Finger oder auch dessen Kollegen Gottfried Keller – nicht sonderlich hoch sind, wird die Sonate unter den musizierenden Liebhabern barocker Kammermusik ihre Freunde finden. Für den Kenner stellt sich die Herausforderung, durch inegales Spiel, Aufspüren angemessener Tempi, Treffen des tänzerischen Gestus und vor allem durch den stilsicheren Einsatz italienischer, französischer und englischer Ornamentik, den schlichten Notentext in ein klingendes Juwel zu verwandeln. Bonne chance!

 

 

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