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Anne-Suse Enßle/Reinhard Führer: Caffe=Hauß Zimmermann Rezensionen

 

 

Musik von Tomaso Albinoni, Johann Sebastian Bach, Johann Gottlieb Goldberg, Georg Philipp Telemann, François Couperin; Anne-Suse Enßle (recorder), Reinhard Führer (harpsichord), Audax Records, Paris 2019, 1 CD, ADX 13719

 

 

Eine Fiktion, freilich eine wohlklingende, bildet die Grundlage dieser CD: ein „fahrender Blockflötenvirtuose“ gastiert in dem berühmten Leipziger Kaffeehaus Zimmermann, wo Bach ab 1729 allwöchentlich mit seinem Collegium Musicum musizierte. Und der große Thomaskantor bearbeitet für diesen wandernden Virtuosen und seinen Begleiter eigene und fremde Kompositionen. So finden sich auf dieser CD neben Bachs eigenen Kompositionen für die Blockflöte angepasste Werke italienischer Komponisten (Tomaso Albinoni), aber auch Stücke von Francois Couperin, von dem Bach-Schüler Johann Gottlieb Goldberg (dem mit den Variationen) sowie von Georg Philipp Telemann – eine erstaunlich zusammenstimmende Mischung, deren Krönung eine Patchwork Sonata aus dem Bach-Umkreis bildet.

 

Die aus Backnang stammende Blockflötistin Anne-Suse Enßle und ihr Wiener Cembalo-Kompagnon Reinhard Führer servieren diese Kaffeehaus-Melange mit Geschmack und sinnlichem Reiz, edlem Blockflötenton und überzeugender Zusammenstimmung der einzelnen Elemente. Eindrucksvoll etwa Bachs Trio super „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr“ (BWV 664), das als veritable Triosonate erklingt, ebenso wie Bachs Choralvorspiel Jesus meine Zuversicht (BWV 728). Über das erste Stück schreibt Arnold Werner-Jensen in seinem Reclam Musikführer, Band 1: „Ein ebenbürtiges Meisterwerk zu den Triosonaten“, während Telemanns Methodische Sonate Nr. 11 (TWV 41:d2) die elegante Seite barocken Musizierens entfaltet. Nach einem Zwischenspiel mit Werken von François Couperin (Sixième Concert aus den Les goûts-réunis ou Nouveaux Concert von 1724) schließt die CD eindrucksvoll mit der Patchwork Sonata, die aus verschiedenen Elementen zusammengesetzt ist. Den Kern bilden zwei Sätze der Sonate BWV 1033; ihnen folgen ein Siciliano aus Bachs Bearbeitung eines Vivaldi-Konzerts (BWV 596) sowie eine Bourée und eine schwungvolle Gigue aus der Französischen Suite E-Dur (BWV 817).

 

Das einzige, was man nach der pausenlosen Darbietung der in Leipzig gastierenden Blockflötistin bedauert: gern würde man auch ein Solostück ihres dezenten, aber stets präsenten Cembalisten hören!

 

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