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Arcangelo Corelli: 6 Sonaten op. 5 Rezensionen

 

 

Teil II („Sonate da Camera“ mit den berühmten Follia-Variationen), für Altblockflöte und Basso continuo, herausgegeben und Generalbassaussetzung von Winfried Michel, Winterthur 2020, Amadeus Verlag, Partitur und Stimmen, BP 2841, € 30,00

 

 

Winfried Michel, ehedem noch Schüler des großen Frans Brüggen, ist der Fachwelt seit Jahrzehnten bekannt als Blockflötist, angesehener Hochschullehrer, aber auch als Komponist zeitgenössischer Stücke und unter den Pseudonymen Simonetti und Tomesini von hoch- und spätbarocken Kompositionen. Zudem ist Michel ein versierter Clavierist. Im Kontext so vielseitiger Aktivitäten sind im Laufe der Jahre auch zahllose Ausgaben Alter Musik mit Continuo Aussetzungen von ihm erschienen – vor allem im renommierten Amadeus Verlag.

 

Moderne Druckausgaben der Bearbeitungen von Arcangelo Corellis Violinsonaten opus 5 für Violine und Basso continuo für die Blockflöte liegen ja bereits vor, dennoch bringt die Fassung von Michel Neues – oder Besser: Altes! Denn sie verzichtet darauf, die Blockflötenstimme möglichst exakt der Violinvorlage anzupassen und vertraut vielmehr der historischen Vorlage von Walsh (London 1702) und deren Bearbeitungskünsten. Ein Faksimile der Quelle hatte Michel bereits 1998 im Verlag Mieroprint Münster herausgebracht. Nun also liegt die Walsh-Fassung vor, bereichert um eine Continuo-Aussetzung von Michel.

 

Im Vorwort beschreibt der Herausgeber, bei der Realisierung des bezifferten Basses den Hinweisen des großen Corelli Schülers Francesco Geminiani in dessen Rules for playing in a true Taste (London 1739) zu folgen, und in der Tat fällt der Continuopart betont farbig aus: Mal mehr, mal weniger vollgriffiges Accompagnement, melodische Wendungen in der rechten Hand, dissonante Vorhalte (Acciaccaturen), gebrochene Arpeggi, rhythmische und ornamentale Finessen und mitunter humorvolle Einfälle – typisch Michel – machen den vorgelegten Generalbass zur kleinen Entdeckungsreise durch die große Welt des hochbarocken Continuospiels.

 

Besonders anspruchsvoll in spieltechnischer Hinsicht ist diese Fassung für den Begleiter am Tastensintrument nicht, sodass die Ausgabe leicht Eingang finden dürfte in den Alltag der Musikschulen oder des häuslichen Musizierens auf hohem Niveau. Eine lohnende Anschaffung für jeden Blockflötisten!

 

 

 

 

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