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Michala Petri: American Recorder Concertos Rezensionen

 

Roberto Sierra: Prelude, Habanera and Perpetual Motion; Steven Stucky: Etudes; Anthony Newman: Concerto for recorder, harpsichord & strings; Sean Hickey: A Pacifying Weapon; Michala Petri (recorders), Tivoli Copenhagen Phil, Danish National Symphony Orchestra, Royal Danish Academy of Music Concert Band and Nordic String Quartet, OUR Recordings, Kopenhagen 2019, 1 CD, 8.226912

 

Große Besetzungen können derzeit nur im Wohnzimmer gehört werden. Auf dieser CD kann man die Blockflötistin Michala Petri mit zwei Orchestern und einem Streichquartett mit zeitgenössischen Werken aus der Neuen Welt erleben.

 

Michala Petri kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken, die in der Sparte der Ernsten Musik wenigen ihrer zeitgenössischen Solisten-Kollegen vergönnt war und ist. Für eine Blockflötistin ist diese Karriere noch außergewöhnlicher, weil Michala Petri fernab der Alten Musik ihre eigene Nische geschaffen hat. Sie ist einzigartig.

 

Mit Disziplin und Energie ist sie unermüdlich dabei, der Blockflöte hohes Ansehen zu verschaffen. Und das mit Erfolg: während jahrelanger Tourneen waren die prestigeträchtigsten Konzertsäle der Welt ihr Zuhause. Konsequent hat sie Geld und Zeit investiert und zahllose Kompositionen in Auftrag gegeben, um das Repertoire für Blockflöte zu erweitern. Etwas, was sie für sich, aber auch für alle anderen Spieler tat. In einem Interview gab sie einmal ihrem Erstaunen und Bedauern Ausdruck, dass nicht mehr ihrer Kollegen diese Werke in ihr Repertoire aufnehmen.

 

Um dem Mangel an anspruchsvollen Solokonzerten abzuhelfen, hat sie für ihre CD American Recorder Concertos Roberto Sierra, Steven Stucky, Anthony Newman und Sean Hickey beauftragt, ihr Musik auf den Leib zu schreiben. Michala hat eine Schwäche für große Besetzungen, vielleicht um dem Vorurteil des leisen, dynamisch schwachen Blockflötenklangs die Stirn zu bieten?

 

Die Geschichte von Roberto Sierras Prelude, Habanera und Perpetual Motion begann bereits 2006. Ursprünglich für Blockflöte und Gitarre für Michala Petri und Lars Hannibal geschrieben, wurde es weiterentwickelt. Mit diesem Wissen hört man die gezupften Saiten und typische perkussive Spieltechniken wie sie bei lateinamerikanischer Musik auf der Gitarre üblich sind, heraus. Auch die transparente Orchestrierung vermittelt eine intime Stimmung. Sierras erfinderische Harmonien und Klangfarben kulminieren im dritten Satz in einen beständigen Strom von schnellen Läufen, deren Gruppierung von 3+3+2 die Zuhörer in Schwingung versetzen.

 

Steven Stuckys Blockflötenkonzert Etudes ist frei und streng zugleich: denn es trägt viele improvisatorische Elemente in sich, obwohl sich jeder der drei Sätze an einem Übe-Aspekt orientiert: Tonleitern, Glissandi und Arpeggios. In diesem Stück gibt die Blockflöte im wahrsten Sinne des Wortes den Ton an und führt das Orchester von einer Klangwelt in die nächste. Die Solostimme ist der Vielfalt der Orchesterstimmen immer einen Schritt voraus und überzeugt viel mehr durch Klang und Gestik als durch Virtuosität und Equilibrismus.

 

Kammermusik findet man auf dieser Aufnahme in Form von Anthony Newmans neo-barockem, kurzweiligem, viersätzigem Konzert für Blockflöte, Streicher und Cembalo, wobei der Komponist selbst für diese Aufnahme am Cembalo sitzt. Die notenreiche Toccata ist eine lebendige Ouvertüre, Devil’s Dance eine sich selbst auf die Schippe nehmende muntere Programmmusik, Lament beschränkt sich auf eine einfache sanfte Melodie und zum Abschluss folgt ein clowneskes Furioso. Dieses Werk würde sich hervorragend als Ballettmusik eignen.

 

Sean Hickeys Musik A Pacifying Weapon ist farbig, fantasievoll, dynamisch und voller Lebendigkeit, mit sehr interessanten orchestralen Bläsersoli und verführerischem Schlagwerk. Die geschickte Orchestrierung sorgt dafür, dass die Blockflöte nicht übertönt wird. Die Solostimme wechselt zwischen Brillianz und dem Eintauchen in den saftigen Orchesterklang.

 

Auf Instrumenten von MOECK, Mollenhauer, Ralf Ehlert und Adriana Breukink, mit tatkräftiger Unterstützung hervorragender Musikerkollegen und exzellenter Aufnahmetechnik ist die Aufnahme, die im eigenen Label OUR Recordings erschienen ist, die Summe der Qualitäten, für die Michala Petri seit einem halben Jahrhundert steht.

 

 

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