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Remembering Vienna Hans Gál: Erste Gesamtaufnahme für Blocklöte und Klavier Rezensionen

 

Recorder Sonatina for treble recorder solo op. 110B; Three Small Pieces for piano op. 64; Four Bagatelles for treble recorder solo op. 110A; Three Intermezzi for treble recorder or flute and harpsichord or piano op. 103; Moment Musical for treble recorder solo; Sabrina Frey (Flauto), Bernhard Parz (Piano), TYXart record company, Nittendorf 2020, 1 CD, TXA 19140

 

 

Diese vielfältige CD ist seit langem überfällig: Der 1890 im österreichischen Brunn am Gebirge geborene Komponist Hans Gál (1890–1987) ist seit seiner Emigration in Etappen (1933 Vertreibung aus Deutschland, 1938 Zwangsemigration nach England) im deutschen Sprachraum eher durch seine Musiker-Monographien (Brahms, Wagner, Verdi, Schubert) als durch seine Kompositionen bekannt geworden. Betrachtet man die Literaturliste in seiner Biographie bei Wikipedia, stellt man fest, dass er nach 1945 überwiegend als österreichischer und vor allem als jüdischer Komponist wahrgenommen wurde.

 

Diese Schwerpunktsetzung wird seinem Schaffen in keiner Weise gerecht – es umfasst mehrere Opern (vor kurzem erlebte Die heilige Ente, eine witzige Oper in drei Akten, eine Auferstehung auf der Bühne und auch im Rundfunk), vier Symphonien sowie zahlreiche Kammer- und Klaviermusikwerke.

 

Umso verdienstvoller, dass Sabrina Frey und Bernhard Parz sich jetzt der Kompositionen für Blockflöte und Klavier angenommen haben und sie für eine mustergültige CD eingespielt haben. Diese Werke stammen fast durchweg aus Gáls letzten Lebensjahren; nur die Drei kleinen Klavierstücke op. 64 entstanden 1933. Gál war eng verbunden mit der englischen Society of Recorder Players sowie ihrem schottischen Zweig (er unterrichtete seit 1945 an der Universität von Edinburgh Musiktheorie, Kontrapunkt und Komposition). Seine Werke aus den letzten Jahren für Blockflöte solo oder für Blockflöte und Klavier verbinden eine moderne Tonsprache mit romantischen Reminiszenzen; Gáls Lehrer war immerhin der Brahms-Schüler Eusebius Mandyczewski. Die Blockflöten-Werke bezeichnen eine späte Blüte von Gáls Komponieren; er schrieb sie in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts, im hohen Alter, das für ihn eine neue Blüte an Kammermusik bedeutete.

 

Besonders hübsch sind die vier Sätze des Concertinos für Blockflöte und Klavier, in denen der Walzer ebenso eine Auferstehung erlebt wie das Spielerisch-Heitere im vierten Satz, einem Rondo capriccioso. Ähnlich reizvoll die Solowerke für Blockflöte, die Sabrina Frey klangvoll und differenziert interpretiert, während Bernhard Parz umsichtig und mit durchsichtigem Klaviersatz begleitet.

 

Hier wird eine Lücke geschlossen, die mit bisher verschollenen Werken bekannt macht; Eva Fox-Gál hat zum Booklet ein Postskriptum beigesteuert, das nähere Auskunft über Hans Gál gibt.

 

 

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