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Johann Christoph Pez: Concerto pastorale in F-Dur „Weihnachtskonzert“ Rezensionen

 

für 2 Altblockflöten (Flöten), 2 Violinen, Viola und Basso continuo, herausgegeben und Generalbassaussetzung von Winfried Michel, Partitur und Stimmen, Winterthur 2020, Amadeus Verlag, BP 2864, € 24,00

 

Johann Christoph Pez (1664–1716) gehört immer noch zu den großen Unbekannten des deutschen Barock. Georg Philipp Telemann hatte ihn seinerzeit in einem Lobgedicht über deutsche Komponistenkollegen neben Händel gestellt und auch Johann Gottfried Walther würdigte ihn explizit 1732 in seinem Musicalischen Lexicon.

 

Ähnlich Georg Muffat war Pez sowohl in den beiden großen Nationalstilen des Barock italienischer und französischer Provenienz zuhause, beherrschte aber auch das Handwerk eines deutschen Kantors. Seine Meisterschaft in der italienischen Stilwelt hatte er sich nicht zuletzt durch einen längeren Romaufenthalt aneignen können, bevor er wieder zu Anstellungen nach München und Stuttgart zurückkehrte.

 

Eine vor einigen Jahren erschienene (und hier noch einmal nachdrücklich empfohlene) CD des belgischen Ensembles Les Muffattis unter Peter Van Heyghen mit Orchesterwerken von Pez stellte schlagartig klar, welch großartige Musik dieser Komponist hinterlassen hat und wie kunstvoll er die barocken Nationalstile mischen konnte. (Dabei ist sein einziges heutzutage bekanntes Werk, eben das hier in einer Neuedition von Winfried Michel bei Amadeus vorgelegte Concerto pastorale mit 2 solistischen Altblockflöten, auf dieser CD gar nicht enthalten.)

 

Bereits 1928 war das Concerto, eigentlich eher eine französische Ouvertürensuite, in einem Pez gewidmeten Band der Denkmäler der Tonkunst in Bayern im modernen Druck erschienen. 1937 brachte Hilmar Höckner im  Verlag Vieweg dann eine (stark bezeichnete) praktische Ausgabe mit Stimmenmaterial heraus.

 

Auch in diesem Werk pflegt der Komponist einen Stilmix: die einleitende Pastorale verweist deutlich nach Rom, während die folgenden Sätze belegen, warum Pez häufig auch als „Lullist“ bezeichnet wird.

 

Da an Weihnachtsmusik (und dann noch mit Blockflöten!) ständig Bedarf herrscht, wurde dieses Concerto auch immer wieder auf saisonale Programme gesetzt. Aber ebenso oft stellte sich heraus, dass es sich keineswegs um relativ einfache „Spielmusik“ zur Weihnachtszeit handelt, sondern um ein hoch artifizielles, musikalisch wie spieltechnisch für alle Beteiligten anspruchsvolles Werk. Das betrifft einerseits den Umgang mit den französischen Stilelementen wie Tanztempi, „Agréments“ und Inégalité, dann aber auch die geforderte Orchestervirtuosität, vor allem in der ausladenden finalen Chaconne.

 

Man mag wirklich begeistert sein von dieser lange erwarteten Neuerscheinung, die endlich die Aspekte einer Urtextausgabe mit denen einer für die Musikpraxis vereint! Die mir zur Rezension vorliegende Partitur enthält neben einer Continuoaussetzung durch Winfried Michel auch das komplette Stimmenmaterial. Es handelt sich um eine wirklich überfällige Ausgabe, die den Fokus nachdrücklich auf einen unterschätzten Komponisten richtet, der ja neben diesem Concerto noch weitere Blockflötenmusik komponiert hat, die sicher ebenfalls eines „fresh view“ würdig wäre!

 

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