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Georg Philipp Telemann: Concerto a tre C-Dur Rezensionen

 

für Altblockflöte, Oboe (Violine) und B. c. (Hg. und Generalbassaussetzung Klaus Hofmann), Reihe: Magdeburger Telemann Edition, Magdeburg 2020, Edition Walhall, Partitur und Stimmen, EW1152, € 14,80

 

Mehrere handschriftliche Quellen einer hochbarocken Triosonate für Querflöte, Oboe d’amore bzw. Violine und B. c. liegen unter dem Namen Telemanns in verschiedenen Bibliotheken. Im Telemann-Werkverzeichnis sind sie mit den Nummern TWV 42: A9  bzw. Anh. 42:G  gelistet.  Wie die Kürzel des TWV besagen, jeweils in A-Dur oder in G-Dur (also in Oboe-d’amore-freundlichen Tonarten). In einigen Quellen ist die Sonate auch Antonio Lotti (1666–1740) zugeschrieben, der auch einige Jahre lang in Dresden wirkte.

 

Es gibt bzw. gab schon moderne Ausgaben aller Versionen, darunter auch eine von J. Robert Flexer (Palo Alto), transponiert nach C-Dur, die ebenfalls als Anh. 42:C im TWV vermerkt ist. Genau eine solche  Version in C-Dur hält Klaus Hofmann nach kritischen Sichtungen aller Quellen für die ursprüngliche: Durch skrupulöse Analyse vor allem von Übertragungsfehlern bei Vorzeichen oder Generalbassziffern lässt sich mit großer Sicherheit auf das Vorhandensein einer Abschreib-Vorlage in C-Dur schließen, eine Editionstechnik, die Hofmann als ehemaligem Leiter des Göttinger Bach-Instituts aus der täglichen Quellenarbeit bei Bachwerken bestens vertraut ist.

 

Angewandt auf nicht-bachische Handschriften hat er uns damit  u. a. auch die kostbare Ausgabe der vorher nur  in c-Moll bzw. h-Moll bekannten  Triosonate d-Moll HWV 386 A/B (Verlag Moeck, Celle)  von G. Friedrich Händel beschert, die mittlerweile in der Besetzung für Blockflöte, Violine und B. c. ins Repertoire vieler Kammermusikensembles aufgenommen wurde.

 

Ob die vorliegende Sonate nun von Telemann oder Lotti stammt, wird sich wohl kaum noch klären lassen. Mit ihrer Dreisätzigkeit ist sie für Telemann eher ungewöhnlich, wenn auch stilistisch viel für seine Autorschaft spricht. Die Sonate entspricht  dem Typus einer Dresdner „Sonate auf Concerten-Art“, bei der, ähnlich wie unter den Bachwerkverzeichnis-Nummern 1020, 1031 und 1032 geläufigen Flötensonaten, ein Instrument die Rolle des „Tuttis“, die andere die des Solos übernimmt. Transponiert man also das Trio nach C-Dur, ergibt sich für die Oberstimme eine Partie in perfekter Altblockflötenlage und für die zweite Stimme eine, die sich gleichermaßen auf Violine, Oboe – oder warum nicht auch Traversflöte! – ausführen lässt. In letzterem Fall hätte man endlich ein Parallelstück zum sogenannten Quantz-Trio, ebenfalls in C-Dur, dessen Autorschaft ja zwischen Telemann und Quantz schwankt – und das ebenfalls nach Dresden zu verorten ist.

 

Ich bin davon überzeugt, dass die Triosonate wie im Falle Händels mit dieser vorzüglichen Ausgabe  angenommen werden wird. Schließlich handelt es sich nicht um eine fragwürdige „Bearbeitung“, sondern um die Rückführung in eine mit höherer Wahrscheinlichkeit authentischere Version. Also: sehr zu empfehlen für die genannten Besetzungen!

 

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