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Carl Friedrich Abel: Concerti Rezensionen

 

Carl Friedrich Abel: Concerto E-Moll Flauto Traverso Concertato, für Traversflöte, zwei Violinen, Viola und Basso, AbelWV F14 (Rekonstruktion Wolfgang Kostujak/Hg. Günter von Zadow), Heidelberg 2022, Edition Güntersberg, Erstausgabe, Partitur und Stimmen, G390, € 36,00

Klavierauszug und Flötenstimme, G391, € 14,80

 

Carl Friedrich Abel: Concerto F-Dur Flauto Traverso Concertato, für Traversflöte, zwei Violinen, Viola und Basso, AbelWV F15 (Hg. Günter von Zadow), Heidelberg 2022, Edition Güntersberg, Erstausgabe, Partitur und Stimmen, G392, € 36,00

Klavierauszug und Flötenstimme, G393, € 14,80

 

Carl Friedrich Abel: Concerto G-Dur Flauto Traverso Concertato, für Traversflöte, zwei Violinen, Viola und Basso, AbelWV F16 (Hg. Günter von Zadow), Heidelberg 2022, Edition Güntersberg, Erstausgabe, Partitur und Stimmen, G394, € 36,00

Klavierauszug und Flötenstimme, G395, € 14,80

 

 

Carl Friedrich Abel ist immer für Überraschungen gut!

 

Seit langem bekannt ist zweifellos sein kompositorischer Beitrag zur Musik für Viola da gamba, ein Instrument, als dessen letzter bedeutender Virtuose im 18. Jahrhundert er u. a. laut Goethes Zeugnis galt. Aber allmählich wird immer klarer, dass Abel als Komponist auch völlig außerhalb der Gambenwelt fruchtbar und durchaus innovativ in mehreren Genres war:  u. a. als Sinfoniker und Schöpfer von Instrumentalkonzerten und Kammermusik.

 

Das Werkverzeichnis und die sogenannte „Gesamtausgabe“ seiner Werke von Walter Knape aus den 1970er Jahren konnten aus verschiedenen Gründen nur bedingt zur Rehabilitation Abels beitragen – durch Fehlerhaftigkeit und nicht zuletzt durch Unvollständigkeit: Kannte Knape nur 233 Kompositionen, wird ein demnächst erscheinendes neues Werkverzeichnis rund 400 Titel umfassen.

 

Günther v. Zadow und seine Edition Güntersberg wirken dabei mit ihren mustergültigen Ausgaben bei der Erforschung und Edition Abelscher Musik an vorderster Front. Nach Kammermusik und den 6 sogenannten „Preussischen Sinfonien“ (darunter einer virtuosen „Konzertanten“ für Violine, Oboe und Cello) hat v. Zadow jetzt unter wissenschaftlicher Mitwirkung von Michael O’Laughlin einen ganzen „Schwung“ von Concerti für Violine, für Cembalo und für Flöte ediert – allesamt Stücke, die Knape noch nicht kannte. (Im Verlag Walhall hat Markus Möllenbeck übrigens kürzlich auch ein technisch äußerst anspruchsvolles Cellokonzert Abels ediert.)

 

Die 3 Flötenkonzerte in G-Dur, F-Dur und e-Moll sind für tibia-Leser von besonderem Interesse und sollen deshalb hier vorgestellt werden.

 

Insgesamt sind 11 Flötenkonzerte von Abel erhalten: ein (nicht autografes) Konvolut mit 6 Konzerten war bislang bekannt. Es diente im 18. Jahrhundert dem Verlagshaus Breitkopf als Kopiervorlage und befindet sich in der Leipziger Stadtbibliothek. Ulrich Leisinger hat 2004 bei Breitkopf eine hervorragende Neuausgabe eines dieser Konzerte in D-Dur veröffentlicht. Vier dieser Konzerte sind als CD-Aufnahmen erschienen.

 

Die jetzt von v. Zadow veröffentlichten 3 Concerti entstammen jedoch einer anderen Quelle, die nach Dresden führt, dort wo Abel auch von 1748–1757  unter der Ägide von Johann Adolf Hasse tätig war, bevor er 1759 nach England ging.

 

Stilistisch sprechen alle Flötenkonzerte Abels eine ähnliche Sprache und unterscheiden sich damit erheblich von seinen späteren Kompositionen aus der Londoner Zeit. Letztere repräsentieren einen italienisch-süddeutschen, melodiösen prä-mozartschen Tonfall mit klaren Periodenbildungen, symmetrischen Konzeptionen, lyrisch-kantablen Mittelsätzen und „sinnlichen“ Klangwelten. (Nicht umsonst wurde Abels Sinfonie op. VII, 6 unter der Köchelnummer 18 lange für ein Werk Mozarts gehalten, weil dieser sich in London das Stück eigenhändig abgeschrieben hatte.)

 

Hört man eine seiner Sinfonien und dann ein Flötenkonzert, mag man kaum glauben, dass es sich um denselben Komponisten handelt. Die Concerti entsprechen stilistisch dem norddeutschen Typ eines zwischen sogenanntem „Sturm und Drang“ und „Empfindsamkeit“  pendelnden galanten Idioms, wie wir es aus den Concerti seiner Zeitgenossen Graun, Benda, Quantz, Hertel und C.P.E und W. Fr. Bach kennen, häufig geprägt von Zerrissenheit,  jähen Umbrüchen, erregten Figurationen und detailliert ausgefeilter Ornamentik.

 

Es ist eine durchaus interessante Beobachtung, dass Abel wie auch manch andere Komponisten dieser Zeit (z. B. auch Georg Benda!) stilistisch quasi bilingual tätig war und sowohl „norddeutsch“ als auch „süddeutsch“ sprechen konnte! Von den drei neu veröffentlichten Konzerten stellt das in G-Dur die höchsten technischen Anforderungen an die konzertierende Flöte. Ähnlich dem von Leisinger edierten D-Dur-Konzert weichen die Soloepisoden dabei zuweilen in weit entfernte Tonarten aus.

 

Das e-Moll-Konzert stellt sich als interessantes Pendant zu dem anderen Konzert derselben Tonart aus dem Leipziger Bestand heraus.

 

Im Falle des F-Dur-Konzerts dürfte es für heutige Spieler einen großen Unterschied machen, ob man es auf der Böhmflöte oder auf einem einklappigen Traverso spielt. Wie auch unter den 300 Concerti von Quantz wurden für Flötenkonzerte der Epoche durchaus nicht nur die gut liegenden und relativ „bequemen“ Tonarten wie G-Dur, D-Dur oder e-Moll gewählt, sondern auch B-Tonarten bis hin nach f-Moll, was den jeweiligen Stücken eine ganz besondere Klanglichkeit verschafft.

 

Alle Konzerte verlangen nach Solo-Kadenzen: der beste Anlass, einmal das entsprechende Kapitel im Quantz‘schen Versuch nachzulesen. Dies hier sind jedenfalls die perfekten Gelegenheiten, die darin enthaltenen Anweisungen umzusetzen.

 

Wie immer bei Güntersberg handelt es sich um traumhaft schöne, sorgfältigst recherchierte und praktisch rundum perfekt nutzbare Ausgaben mit allem nötigen Stimmenmaterial; selbst Klavierauszüge sind getrennt von den hier besprochenen Partituren mit Stimmen zu bekommen.

 

Eine echte Bereicherung des Flötenrepertoires!

 

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