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Dieter Riesenberger: Leopold Mozart (1719–1787) Rezensionen

 

Biographie, unter Mitwirkung von Gisela Riesenberger, Bremen 2019, Donat Verlag, ISBN 978-3-943425-89-5, 362 S., 14,5 x 21,5 cm, geb., € 24,80

 

Haben Sie es bemerkt? 2019 war Leopold-Mozart-Jahr! 

 

Geblieben sind u. a. zwei biografische Buchveröffentlichungen, von denen das Buch Leopold Mozart (1719–1787) von Dieter (und Gisela) Riesenberger aus dem Donat-Verlag zur Rezension bei Tibia vorliegt.

 

Es ist zweifellos ein schwieriges Unterfangen, die Persönlichkeit Leopold Mozart unbefangen würdigen zu wollen: schließlich ist seine Biografie für die meisten Jahre seines Lebens untrennbar mit der seines Sohnes verknüpft und aufgrund der zahlreichen Quellen, vor allem der Briefe, bereits ausführlich und vielfältig dokumentiert.

 

Will man die Identität dieses Mannes in den Fokus nehmen und dabei eventuelle Irrtümer in der biografischen Darstellung im Schatten der W. A. Mozart-Biografie korrigieren, dürften vorab Entscheidungen darüber zu treffen sein, welche biograpfischen Aspekte man bei Leopold würdigen bzw. kritisch hinterfragen will: War er ein wichtiger und biografischen Abhandlungen würdiger Komponist? Ist seine Rolle als Vater und Promoter seiner Kinder zu hinterfragen? (Durchaus auch ein Thema für die Psychologie oder Erziehungswissenschaften!). Lohnt es sich, seine Aktivitäten als Reise- und Konzertmanager, als Pädagoge, als Musikschriftsteller intensiv zu beleuchten?

 

Der Autor Dieter Riesenberger war bislang nicht mit musikbezogenen Büchern an die Öffentlichkeit getreten, fühlt sich auch laut Vorwort lediglich als Musikliebhaber, der für fundierte Urteile über Kompositionen auf Ausführungen musikwissenschaftlicher Kollegen angewiesen ist.

 

Riesenberger gliedert sein Buch (362 S.) in zwei große Abschnitte: 1) „Biographischer Teil“ und 2) „Aspekte“. Letzteres umfasst die Kapitel „Von Alltag und Politik“, „Glaube, Frömmigkeit und Aufklärung“, „Der politische Kommentator Leopold Mozart“ sowie weitere Betrachtungen zum Autor des Versuchs einer gründlichen Violinschule, dem Salzburger Hofkapellmeister und – zu guter Letzt – dem Komponisten.

 

Die andere genannte Buchveröffentlichung über Leopold Mozart erschien bei Bärenreiter/Metzler und wurde von der bedeutenden Musikwissenschaftlerin Silke Leopold verfasst („Ein Mann von vielen Witz und Klugheit”: Leopold Mozart). Es mag unfair sein, die beiden Bucherscheinungen zu vergleichen. Denn: ganz unabhängig vom jeweiligen Inhalt haben sich Bärenreiter/Metzler ganz anders ins Zeug gelegt, was die Aufmachung betrifft! Obwohl von Textinhalt und Seitenzahl bescheidener angelegt (280 S.), kommt Silke Leopolds Buch geradezu luxuriös daher: mit sehr gutem Papier, vielen zumeist farbigen Bilddarstellungen und einem sehr lese- und verständnisförderndem Layout der Seiten nebst einer Zeittafel im Anhang. Das Buch aus dem Donat-Verlag dagegen bietet über viele Seiten hinweg den Eindruck einer „Bleiwüste“ und enthält nur einige wenige schwarz-weiße Abbildungen.

 

In Riesenbergers Buch verfolgen wir zum größten Teil die detaillierte Darstellung der gemeinsamen Biografie von Vater und Sohn – vor allem die Stationen der großen Reisen. Silke Leopold gliedert ihr Buch von vornherein ausschließlich in „Aspekte“: „Der Sohn des Buchbinders“, „Der Komponist“, Der Schriftsteller“, „Der Wegbereiter“, „Der Ratgeber“ und „Der Großvater“.

 

Leopold Mozarts bedeutendste zeitgeschichtliche Leistung, die nicht direkt mit seinem Sohn verknüpft ist, stellt sicher sein Versuch einer gründlichen Violinschule dar, zumal er mit dieser Veröffentlichung weit über die Salzburger Provinz hinauswirkt. Dass er – obwohl selber nie als Violinvirtuose in Erscheinung getreten – im Verbund und sicher auch nach Absprache mit den Berliner Kollegen Carl Philipp Emanuel Bach, Marpurg, Quantz und Agricola neben deren Abhandlungen zu Klavier, Generalbass, Flöte und Gesang die Violinschule des Zeitalters der Aufklärung beisteuert, belegt sein hohes, weit ausstrahlendes fachliches Renommee. Silke Leopold findet zu diesem Thema erhellende Darstellungen.

 

Persönliche Anmerkung des Rezensenten am Rande: Ich empfehle zur Vertiefung des Themas „L. Mozart als Pädagoge“ dringend die Lektüre des 22 Seiten umfassenden Kapitels „The Child Mozart“ in Robert O. Gjerdingens Buch Music in the Galant Style (OUP), in dem anhand der ersten überlieferten Kompositionen des 5jährigen Mozart die Lerninhalte der jeweiligen Lektionen durch den Vater minuziös nachgestellt sind. Leopold beginnt ab der ersten Stunde mit der Vermittlung von kompositorischem „Handwerk“, das der Sohn Schritt für Schritt in kleinen Stücken umsetzt.

 

Es ist mehrmals von Flötenkonzerten Leopold Mozarts die Rede. Die meisten scheinen verschollen zu sein; aber eines in G-Dur ist erhalten und offenbar auch von Nikolaus Delius neu ediert. Im Gegensatz zu dem Posaunen- und Trompetenkonzert hat es aber bislang nicht den Weg ins Musikleben gefunden.

 

Kurz und gut: das Buch von Riesenberger ist gut recherchiert und bietet sehr viel Material zur Persönlichkeit Leopold Mozarts. Wer sich für Letzteren ernsthaft interessiert, mag durchaus beide genannten Bücher erstehen, da sich deren Inhalte durchaus ergänzen!

 

 

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