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Johann Georg Mezger: Sechs Sonaten op. 6 Rezensionen

 

- Band 1: Sonaten 1–3, Reihe: Camera flauto Amadeus, Winterthur 2019, Amadeus Verlag, Partitur und Stimme, BP 2838, € 24,00

- Band 2: Sonaten 4–6, Reihe: Camera flauto Amadeus, Winterthur 2019, Amadeus Verlag, Partitur und Stimme, BP 2839, € 24,00

 

 

„Flötenmusik aus Mozarts Zeit“ heißt es auf dem Titel dieser zweibändigen Neuausgabe der 6 Flötensonaten von Johann Georg Mezger (1746–1793) op. 6, die gegen Mitte der 80er Jahre beim Verlag Hummel im Druck erschienen waren.

 

Ja, wie gerne hätten wir doch eine Sammlung von 6 Sonaten für Flöte und Clavier von Wolfgang Amadeus Mozart!

 

Aber da hier auch für einen Überraschungsfund keine Chance mehr besteht, müssen wir uns auf andere Weise dem Thema nähern.

 

Und: Winfried Michel schreibt in seinem Vorwort als allererstes: „Wir sind ganz nahe bei Mozart“!

 

Tatsächlich gehört Mezger zum Schülerkreis von Johann Baptist Wendling – und der war bekanntlich ein enger Freund der Mozarts aus Mannheimer Begegnungen. Jedenfalls war Mezger sowohl in Mannheim als auch in München Mitglied in der kurpfälzischen Hofkapelle und dürfte deshalb zu Mozarts Bekannten gehört haben.

 

In der Tat lassen die 6 Sonaten Mezgers eine rein galante Schreibart, wie sie für unzählige Flötenwerke dieser Zeit typisch ist, deutlich hinter sich und sprechen eine eher „klassische“ Tonsprache, benutzen also ein durchaus „mozartisches“ Vokabular. Dies betrifft sowohl die Themenbildung, den Einsatz von virtuosem Floskelwerk als auch die formale Anlage der Sonaten.

 

 

Sie sind sehr idiomatisch für die Flöte geschrieben (wie in Mozarts G-Dur-Konzert mit einem Umfang bis zum g3 ) und erfordern erhebliche technische und tonlich-gestalterische Fertigkeiten. Die Tonarten der Sonaten D-Dur, G-Dur, C-Dur, F-Dur, A-Dur und B-Dur durchschreiten den zu erwartenden Kreis, in den Mittelsätzen werden aber auch c-Moll und g-Moll verwendet.

 

 

Früherer Tradition entsprechend sind die Sonaten im Originaldruck als Werke für Flöte mit beziffertem Generalbass veröffentlicht. Es ist aber evident, dass es sich hier nicht um einen Basso continuo barocker Struktur, sondern um Bausteine für die Erstellung einer obligaten Klavierbegleitung handelt.

 

Wer könnte besser die stilistische Sprache dieser Zeit sprechen als der Herausgeber Winfried Michel? (Ich erinnere nur an seine 6 „Haydn“-Sonaten, die der Haydn-Papst Robbins-Landon für authentisch gehalten hatte!).

 

Michel versteht es jedenfalls meisterlich, diese Generalbass-Sonaten in Werke mit obligatem Klavier zu verwandeln. Dabei bleibt der „urtextliche“ Basso continuo jederzeit erkennbar.

 

Diese Sonaten könnten wirklich ins Repertoire der Flötisten übergehen, um mozartischen Geist auch über dessen Quartette hinaus in die Kammermusik mit Flöte zu bringen.

 

Wie immer bei Amadeus handelt es sich um eine wunderbar gestaltete Neuedition. Neben dem schöpferischen Anteil von W. Michel bezüglich des Clavier-Parts bedeutet sie einen erheblichen Mehrwert gegenüber einem puren Download des Faksimiles bei imslp.

 

 

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