Während seit Mitte des 18. Jahrhunderts sowohl in Frankreich als auch in England das Interesse am Flageolett nachließ, führte gegen Ende des Jahrhunderts ein wiederauflebendes Interesse an dem Instrument zu einer neuen Blütezeit, die während des gesamten 19. Jahrhunderts anhielt. Ende des 18. Jahrhunderts wurden einige Sammlungen von Stücken und pädagogische Materialien veröffentlicht, wobei es um die Jahrhundertwende zu einem regelrechten Veröffentlichungsboom kam. 

Eine dieser Veröffentlichungen war die zwischen 1783 und 1788 von Jean-Pierre de Roudelle herausgegebene Sammlung Soixante ariettes choisies de différents opéra nouveaux arrangées pour deux flageolets avec les principes pour cet instrument1 von Jame.2 Sie enthält einige Hinweise zur Haltung des Flageoletts und zwei Grifftabellen mit einer diatonischen und einer chromatischen Tonleiter für ein zweiteiliges flageolet à bec.  

Die Sammlung wurde 17963 von Naderman neu herausgegeben und ein Teil daraus um 1797 von Imbault ohne Nennung eines Autors neu veröffentlicht. Diese Ausgabe enthielt nur die beiden Grifftabellen und fünf Airs für ein Flageolett, wobei das vierte nicht aus James Ausgabe stammte. Um 18024 gab B. Schott eine Neuausgabe von Imbaults Edition in Mainz heraus.5

Ein wie bei Jame abgebildetes Instrument sieht man auf einem schönen Gruppenbild der vier Kinder Hoffmann-Gyssler, gemalt von Maximilian Neustück (1756–1834) um 1792.

Obwohl sich auch Hinweise auf das flageolet d’oiseau finden, wie z. B. auf dem Selbstporträt von Jožef Tominc (1790–1866), der ein winziges Flageolett aus Elfenbein in der Hand hält, wird das gros flageolet (im folgenden nur als Flageolett bezeichnet) die erfolgreichste hohe Kernspaltflöte sein, die im 19. Jahrhundert wie andere Holzblasinstrumente des Orchesters weiterentwickelt und mit Klappen versehen wird.6 Obwohl Flageoletts in verschiedenen Tonlagen hergestellt wurden, setzte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts das Flageolett in a2 (mit einer klingenden Länge von etwa 17 cm) als bevorzugtes Instrument durch. Es war auch dasjenige Instrument, auf das das Böhm-System übertragen wurde. In diesem Artikel soll die organologische Entwicklung des Instruments beschrieben werden.

Organologie des Französischen Flageoletts im 19. Jahrhundert

Während das Flageolett des 17. und 18. Jahrhunderts seine Bauweise beibehielt, erfuhr es im Laufe des 19. Jahrhunderts bedeutende Veränderungen. Zum einen verbreitete sich ein neues Bauteil namens pompe oder portevent (Windkapsel), das bereits im 18. Jahrhundert vereinzelt an das Flageolett angebracht wurde, und zum anderen wurde das Flageolett mit Klappen versehen. Zusätzlich wurde die Innenbohrung vergrößert, um ein klangvolleres Instrument zu erhalten.

Im 19. Jahrhundert existierten zwei Arten von Flageoletts nebeneinander: das flageolet à bec und das flageolet à pompe. Ersteres war genauso konstruiert wie die zweiteiligen Instrumente des 18. Jahrhunderts. Letzteres konnte durch Hinzufügen der pompe oder portevent (Windkapsel) seine Länge nahezu verdoppeln. Beide Arten existierten während des gesamten Jahrhunderts nebeneinander, obwohl sich letztendlich das flageolet à pompe durchsetzte.

Instrumente, Lehrbücher und Notenausgaben zeigen, dass Flageoletts in verschiedenen Größen hergestellt wurden: d2, e2, f2, g2, a2, b2, h2 und d3. Im Laufe des Jahrhunderts wurde jedoch vor allem das Flageolett in A verwendet, das später als „Quadrille-Flageolett“ bekannt wurde, da es bevorzugt in kleineren Tanzmusikensembles jener Zeit gespielt wurde. Wie schon im 18. Jahrhundert wurde das Flageolett weiterhin wie ein transponierendes Instrument in D behandelt. Erst nach 1840 widmeten sich mehr Lehrwerke und Notenausgaben, insbesondere solche mit eher professionellem Charakter, einem nicht transponierenden Instrument in a2, das der Tonhöhe der Piccoloflöte entsprach. Eine Beschreibung der Eigenschaften einiger dieser Größen finden sich in der Nouvelle Méthode pour flageolet von J. Bellay & A. J. de Vizien (ca. 1803/1804), Übersetzung nach Aufzeichnungen Dr. Moecks:9

 

D – Dieses Flageolet, dessen Töne ebenso melodiös sind wie die der Flöte, muß vor allem in den Romanzen verwendet werden. Es ist nicht so brillant wie die anderen für das Konzert. 

D (Oktav) – Die Töne dieses Flageolets sind himmlisch, man kann ihm ein Solo geben im „genre de turlutaine“10.

E – Ungefähr wie das in F.

F – Dieses vereint die brillantesten Töne in der Höhe mit den männlichsten der Tiefe; es ist sehr schön fürs Konzert.

G – Die Töne dieses Flageolets sind sehr charmant für das Rondeau durch ihre Leichtigkeit wie durch ihre Anklänge an das Gezwitscher der Vögel.

 

Edmé Collinet (1765–1841) fügte seinem Werk Nouvelle méthode du flageolet … (1. Aufl., ca.1806) ebenfalls eine Tabelle mit neun verschiedenen Flageolettgrößen bei.11

 

Einige Beispiele aus dem Repertoire der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts zeigen die Verwendung verschiedener Flageolettgrößen als transponierende 4'-Instrumente, die in D gestimmt sind. Das folgende Fragment ist ein Duett. Die Oberstimme steht in G-Dur für ein a2-Instrument und die Unterstimme in D-Dur für ein eine Quinte tiefer stehendes d2-Flageolett. Da beide Stimmen mit D-Fingersätzen gelesen werden müssen, ist die endgültige Tonart des Stücks dieselbe – D-Dur.

Im folgenden Beispiel steht der Part für das Flageolett in C-Dur für ein Instrument in f2. In D gelesen, ist die tatsächliche Tonart des Stücks Es-Dur.

Es gibt einige besondere größere Flageolett-Exemplare, die jedoch möglicherweise speziell in Auftrag gegeben oder für einen bestimmten Zweck verwendet wurden. Ein Flageolett von Jean Baptiste Martin (1797–1876) mit einer klingenden Länge von 354 mm, möglicherweise in g1, ist das größte, das wir registriert haben (Flageoletts in d2 haben eine klingende Länge von etwa 270 mm) und ein weiteres in h1, auf 440 Hz, mit einer klingende Länge von 312 mm und dem Stempel von Edmé Collinet (1765–1841).13

 

Die Windkapsel

In Teil 2 habe ich dargelegt, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an das Flageolett ein neues Bauteil, die Windkapsel, angebracht wurde, die zumindest seit 1717, wenn nicht schon früher, bereits einige Flageolets d'oiseau aufwiesen. Dies ist die erste größere morphologische Veränderung, die das Instrument durchlief und die in einigen Fällen zu einer Verdopplung seiner Größe führen konnte. 

Es ist nicht bekannt, wo und wann diese Entwicklung stattfand. Erste Hinweise auf eine Windkapsel finden sind in England beim Vogelflageolett.14 Auch einige der ältesten dokumentierten Flageoletts mit Windkapsel stammen aus England: die Exemplare von Robert Cotton15 und John Mason, die in Teil 2 vorgestellt wurden.

Obwohl die Windkapsel bereits im 18. Jahrhundert an das Flageolett angebracht wurde, setzte sie sich erst im 19. Jahrhundert durch. Dennoch handelte es sich bei den Instrumenten, die in den Grifftabellen der Lehrwerke dargestellt waren, auch im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hauptsächlich um Flageoletts à bec.

Das erste uns bekannte grafische Zeugnis eines flageolet à pompe findet sich auf dem Titelblatt eines von G. Gilferts um 1799 in New York veröffentlichten Lehrbuchs: A New and Compleat Instructer for the/ Flageolet./ To which is added/ a Select Collection of Songs Marches & c. 

Die Standard-Windkapsel, auf Französisch „pompe“ oder „porte-vent“, bestand aus drei Teilen: einem Mundstück aus Elfenbein, Horn oder Perlmutt, einem konischen Röhrchen und einem Fässchen. In verschiedenen Flageolettschulen wie der Méthode élémentaire pour le flageolet … von Georges Kastner (1844)16 ist zu lesen: „Mit Hilfe eines dünnen Schwämmchens, das in das Fässchen eingeführt wird, wird die gesamte durch den Atem erzeugte Feuchtigkeit absorbiert und kann die Klangqualität nicht mehr beeinträchtigen, was bei flageolets á bec immer der Fall ist.“17 Darüber hinaus trug die Windkapsel auch dazu bei, den scharfen Klang des Flageoletts zu mildern, und sie hatte eine ergonomische Funktion, denn obwohl für das Spielen des Instruments nicht notwendig, verlängerte sie es und ermöglichte so eine bequemere Hand- und Armhaltung.

 

Französisch

Deutsch

POMPE/PORTE-VENT

WINDKAPSEL

Embouchure Mundstück
TuyauRöhrchen
BarilFässchen

CORPS DU FLAGEOLET

FLAGEOLETT-KÖRPER

Tête ou siffletLabiumteil
Corps du flageoletGrifflochteil

 

Tab. 1: Terminologietabelle der einzelnen Teile des Flageolett auf Französisch und Deutsch

 

Windkapsel-Typologien

Es gibt drei Typen einer pompe, die sich hauptsächlich durch die unterschiedlichen Formen des Fässchens unterscheiden, obwohl sich daraus keine Klangunterschiede ergeben:18

 

a) außen und innen zylindrisch geformtes Fässchen,

b) sehr ausgeprägtes birnenförmiges Fässchen mit einer Ausbbauchung im unteren Drittel und einer zylindrischen Wölbung im Inneren. Bei diesem Typ werden Rohr und Fässchen in der Regel aus einem Stück gedreht,

c) etwas weniger ausgeprägtes birnenförmiges Fässchen, innen zylindrisch.

 

Laut Lenz Meierott19 entspricht die älteste Form aus dem frühen 19. Jahrhundert dem zylindrischen Korpus (a), der sich aus den Windkapseln der flageolets d'oiseau des vorangegangenen Jahrhunderts ableiten lässt. Die ausgeprägte Birnenform (b) wurde zusammen mit (a) im ersten Drittel des Jahrhunderts verwendet, und die dritte Form (c) tauchte in den 20er- und 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts auf und war bis ins 20. Jahrhundert hinein die gängigste Form.

Es fanden sich auch weniger verbreitete Varianten der Windkapsel, wie diese zweiteilige eines Instruments aus deutscher Herstellung.

Obwohl es üblich war, ein kleines Stück Meeresschwamm in das Fässchen einzuführen, um die Feuchtigkeit aufzunehmen, entwickelten einige Hersteller auch eine Art Reservoir für den gleichen Zweck. Jean Carnaud (1781–1861) beschrieb das Reservoir in seiner Mèthode de Flageolet …, Op. 36.21

Anstelle eines Schwamms kann das Fässchen ein Reservoir enthalten, das vor kurzem von Herrn Godfroy, dem größten Hersteller von Blasinstrumenten, 67 Rue de Montmartre, erfunden wurde und denselben Effekt erzielt. Es ist gleichermaßen für alle Flageoletts geeignet, unabhängig von ihren Abmessungen und der Anzahl ihrer Klappen.22

Carnaud schrieb Clair Godfroy aîné (1774–1841) die Erfindung dieses Reservoirs zu, das in dessen Preisliste von 1827 als Zusatz für alle seine Flageoletts zum Preis von 12 Francs aufgeführt ist.23 Godfroys Reservoirs waren aus Metall und wurden in das hölzerne Fässchen eingesetzt.

Dennoch tauchte das Konzept eines Reservoirs bereits vor Claire Godfroy auf. Es sind zwei Instrumente (ca. 1809–1815) dokumentiert, die mit der Werkstatt von Joseph Baumann (ca. 1772–ca. 1845)24 in Verbindung gebracht werden und über ein in den Korpus eingedrechseltes Holzreservoir verfügen.

Abgesehen von seiner geringeren Größe ähnelt dieser integrierte Behälter der sponge chamber, die bei einigen englischen Einzel- und Doppelflageoletts von William Bainbridge und anderen Herstellern zu finden ist.

Einige Jahre später übernahm Felix Carnaud jeune die Idee des Reservoirs. In seiner Méthode25 von 1846–1853 schrieb er: 

Normalerweise wird ein Schwamm in das Fässchen des Flageoletts gesteckt, um einen Teil des Speichels zurückzuhalten. Dieser Vorgang hat jedoch den Nachteil, dass der Klang des Instruments gedämpft und es dadurch schwieriger zu spielen wird. Der Autor hat einen Behälter entwickelt, der an alle Flageoletts angepasst werden kann und diesen Nachteil nicht hat.26

Und in der Ausgabe von 1865:27 

Der Schwamm, der normalerweise in das Fässchen des FLAGEOLET eingesetzt wird, um einen Teil des Speichels zurückzuhalten, hat den Nachteil, dass der Klang des Instruments gedämpft und es dadurch schwieriger zu spielen wird. Der Autor hat einen Behälter erfunden ((1) Carnaud-Behälter, 50c), der an alle FLAGEOLETS angepasst werden kann und diesen Nachteil nicht hat.28

Es wäre möglich, dass zu dieser Zeit die Werkstatt Clair Godfroy aîné, die von 1845 bis 1854 von der Société Godfroy fils et Lot und von 1855 bis 1868 von Vincent Hypolite Godfroy als Alleineigentümer geführt wurde,29 die Herstellung von Flageoletts eingestellt hatte und es für Carnaud jeune kein Problem gewesen wäre, sich die Idee des Reservoirs anzueignen. 

 

Das Mundstück 

Das Mundstück wurde aus Elfenbein, Perlmutt, Knochen oder Horn hergestellt. Es ähnelt in seiner Form einem Doppelrohrblatt und hat eine zylindrische Bohrung, obwohl in einigen Fällen mehr Material aus dem Inneren entfernt wurde, wodurch es Innen eine ähnliche Form wie Außen erhielt.

Das Mundstück bestand aus zwei unterschiedlichen Teilen: dem Mundstück selbst und einer Art Wulst. Dieser Wulst wurde mit einer oder zwei „Kugeln“ und einer inneren Fassung gedreht, die auf den Zapfen des Holzrohrs passte.30 Mundstück und Wulst wurden aus einem oder zwei Teilen hergestellt. Im zweiten Fall hatte das Mundstück einen Zapfen, der in den Wulst passte.

Es gab ein weiteres Design eines zweiteiligen Mundstücks, bei dem der obere Teil in einen Wulst aus Elfenbein oder Holz eingesetzt oder eingeschraubt wurde, der mit Metall ummantelt war.

Von 1840 bis 185031 gab es auch eine vereinfachte Art von Mundstück, ohne Wulst, bei dem das Mundstück direkt in das Holz gesteckt wurde, das an dieser Stelle mit einer Hülse verstärkt war.

Bei einfacheren Instrumenten wurde das Mundstück auch aus einem einzigen Stück Holz gedrechselt.

Klappenmechanik 

Die mechanische Weiterentwicklung des französischen Flageoletts, einem Instrument ohne Klappen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, begann zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Zwischen ca. 1800 und 1839 und darüber hinaus wurden Querflöten (vor Böhm) mit bis zu sieben Klappen hergestellt. Zudem wurde zwischen 1846 und 1850 die Ringklappenmechanik des Böhm-Systems auch für das Flageolett adaptiert. 

Der Zweck der Klappen bestand darin, die Ausführung bestimmter Töne und Triller zu erleichtern, den Klang zu verbessern, Gabelgriffe zu vermeiden und in einigen Fällen den Tonumfang des Instruments zu erweitern.32 Das Vorbild für die Weiterentwicklung des Flageoletts diente die Querflöte, bei der die Zahl der Klappen in Frankreich zwischen 1785 und 1804 von einer auf vier erweitert worden war.33 (Diese Entwicklung stammt ursprünglich aus dem Musettenbau, blieb allerdings viele Jahrzehnte auf diese Instrumente beschränkt. Anm. d. Red.)

Wie bei der fünfklappigen französischen Flöte waren die Klappen beim Flageolett geschlossen,34 obwohl einige offene Klappen beim Flageolett mit Böhm-Mechanik und in einer Variante des Instruments mit acht Löchern und sechs Klappen (fünf geschlossene und eine offene Klappe) vorkamen.35

Die verschiedenen Klappen und ihre Befestigungen haben sich, genau wie bei der Querflöte, im Laufe der Zeit weiterentwickelt.

 

Das einklappige Flageolett 

Die frühesten Zeugnisse für ein einklappiges Flageolett finden sich um ca. 1800.36 In den Jahren 1803/1804 veröffentlichten J. Bellay und Auguste P. de Vizien ihre Nouvelle Méthode de flageolet,37 die eine Grifftabelle für ein einklappiges Instrument enthielt und das gesamte 19. Jahrhundert über hohes Ansehen genoss. Die Klappe erhöht den Grundton um einen Halbton, sodass das Dis/Es38 mit vollständig geschlossenen Tonlöchern gespielt werden kann, anstatt das unterste Loch nur einen Spalt zu öffnen. Konstruktion und Funktion dieser Klappe entsprechen der ersten bei der Querflöte eingeführten Klappe; sie wird mit dem kleinen Finger der unteren (hier der linken) Hand bedient.

Anstelle dieser ersten Dis-Klappe hatten einige Flageoletts ein zusätzliches 7. Loch unterhalb des unteren Zierrings mit derselben Funktion wie die Klappe. Das Loch wird mit dem Ringfinger der unteren Hand abgedeckt. Ein großer Befürworter dieses zusätzlichen Lochs war J. Carnaud, der es in seiner Mèthode op. 36 beschrieb.39

Obwohl diese Klappe bereits seit Beginn des Jahrhunderts nachgewiesen ist, setzte ihre Verbreitung erst zu einem späteren Zeitpunkt ein. Zahlreiche im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erschienene Flageolettschulen, darunter die Nouvelle Méthode de flageolet … von Edmé Collinet (1806; 2. Auflage 1813),40 befassen sich noch ausschließlich mit dem klappenlosen Flageolett, wie dem unten abgebildeten Instrument.

Zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des Jahrhunderts scheint sich die Dis-Klappe als Standard etabliert zu haben. Spätestens 1811 findet sie sich in der Nouvelle Méthode pour le flageolet … von C. Eugène Roy.42

Es gab noch einen anderen Typus des einklappigen Flageoletts, bei dem eine Klappe am Kopfstück angebracht war, um jeden Ton des Instruments um einen Halbton zu vermindern. Am 25. August 1825 erhielt Aimé Jacques-Desiré Letort ein 5-jähriges Patent (Brevet) für die „Anwendung einer Klappe zur Erzeugung von Halbtönen auf dem Flageolett“.43 Laut Patentschrift (eingereicht am 1. August 1825) deckt diese Klappe beim Herunterdrücken einen Teil des Fensters ab, wodurch jede Note um einen Halbton tiefer gespielt werden konnte. Es ist kein Flageolett mit dieser Klappe überliefert, aber es sind andere mit einer geschlossenen Klappe in Höhe des Fensters nachgewiesen, die geöffnet jede Note um einen Halbton erhöhen sollte.

Diese Klappe fand keine breite Akzeptanz und wurde von Autoren wie J. Carnaud kritisiert: „Eine Klappe, die ein Loch verschließt und öffnet, das in das Kopfstück des Flageoletts selbst gebohrt wurde. Ich erwähne diese Klappe nur, um Amateure, die keine Experten sind, zu warnen, dass sie absolut wertlos ist, da sie nicht, wie vom Erfinder dieser schönen Entdeckung und einigen Instrumentenbauern, die sie in ihre Instrumente integriert haben, behauptet, die anderen Klappen ersetzt und alle Töne erhöht und erniedrigt, sondern jeden Ton der Tonleiter nur um eine kleine Nuance von etwa einem Viertelton erhöht, ein Intervall, das nur dazu dienen kann, verstimmt zu spielen.“45

 

Zweiklappige Flageoletts 

Die zweite Klappe, die an das Flageolett angebracht wurde, war die Klappe für Gis/Ab. Diese Klappe wird mit dem Daumen der rechten Hand betätigt. Diese beiden ersten Klappen sind die wichtigsten und sind normalerweise bei allen Flageoletts mit mehr als einer Klappe vorhanden. Die zweite Klappe wurde sicherlich im Laufe des zweiten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts hinzugefügt. 

Eine der ersten Schulen, die einen Hinweis auf ein zweiklappiges Flageolett enthält, wurde von C. Eugène Roy verfasst und 1820 von Janet et Cotelle veröffentlicht.46 Obwohl das in der Grifftabelle abgebildete Flageolett nur eine Klappe hat, verrät die Angabe „die Gis-Klappe nehmen“47 die Existenz dieser zweiten Klappe.

Es gibt eine Variante der zweiten Klappe, deren Drücker vor dem Korpus des Instruments angebracht ist und mit dem linken Ringfinger betätigt wird.

Noch um 1860 verteidigt der Flageolett-Virtuose Hubert Collinet (1797–1867) in seinem Handbook for the flageolet (ca. 1860/1864)49, dass nur zwei Klappen für das Spielen des Flageoletts unbedingt notwendig seien: 

„Das Flageolett ist sehr einfach, und die Bücher, die sich mit komplizierten Griffen auf Flageoletts mit vielen Klappen befassen, sind lediglich Versuche der Hersteller, Anfängern teure Instrumente aufzudrängen. Diese Tatsache wird besser verständlich, wenn man weiß, dass wirklich kompetente Spieler immer nur zwei Klappen verwenden und dass für die meisten Passagen eine einzige Klappe ausreicht.“50

 

Jeantet aus Lyon bot eine weitere Variante eines Flageoletts mit zwei Klappen an. In diesem Fall verschließt die zweite Klappe den Schallbecher teilweise, um so den Grundton um einen Halbton zu senken. In unserer Untersuchung ist dies dafür das einzige Beispiel, da es üblich ist, den Schallbecher mit dem kleinen Finger der rechten Hand zu bedecken, wodurch der Grundton um einen Halb- oder Ganzton tiefer wird.

Das Flageolett mit drei Klappen 

Spätestens seit 1822 finden sich Flageoletts mit drei Klappen. Es gab zwei Varianten: 

a) Drei Klappen für Dis, Gis und C. Die dritte Klappe, bekannt als Clé d’ut (C-Klappe) oder premier petit clef de trilles, wird mit dem zweiten Fingerglied des rechten Zeigefingers betätigt und für Triller über den Noten H, C und D verwendet.

Eine Notiz im Journal de Dames von 1826 über ein Flageolett aus Ebenholz mit drei silbernen Klappen von Collinet besagt, dass „die Läufe, die auf gewöhnlichen [klappenlosen] Flageoletts sehr schwer auszuführen sind, auf dem Flageolett mit drei Klappen fast mühelos zu spielen sind“.52

Diese Art von Flageolett mit drei Klappen erscheint in der zweisprachigen (französisch-deutschen) Nouvelle méthode pour le flageolet à cles et sans clefs von C. Eugène Roy, veröffentlicht 1825 von B. Schott.53 Das Schott-Archiv enthält auch das Manuskript des Autors.54

b) Dreiklappiges Flageolett mit einer dritten Klappe für B/Ais anstelle der premier petit clef de trilles. Diese Klappe wird mit dem Mittelfinger der linken Hand betätigt. Diese Konfiguration tauchte erstmals in der Nouvelle méthode de flageolet avec et sans clef…(1829) von Hippolyte Bonisseau auf,56 einem der Virtuosen auf dem Flageolett.

In seiner Méthode57 von 1857, rät Narcisse Bousquet58 von der B-Klappe ab. Er hielt sie für unnütz, abgesehen davon, dass sie aufgrund ihrer Lage versehentlich betätigt werden könnte.

Das Flageolett mit vier Klappen

Es gibt in der Hauptsache vier Varianten des vierklappigen Flageoletts: 

a) Vier Klappen für Dis (1), Gis (2), B (3) und die premier petite clef de trilles (4)

b) Vier Klappen für Dis(1), Gis (2) und zwei petites clefs de trille (3)

Die zweite petite clef de trille wird ebenfalls durch das zweite Fingerglied des rechten Zeigefingers betätigt und dient für Triller über den Noten A, C und Cis.

 

c) Vier Klappen für Gis (2), B (3) und zwei petites clefs de trilles (4), plus ein 7. Loch für Dis (1).

Bei diesem Typ ersetzt das siebte Loch die Dis-Klappe, wie es auch bei dem Flageolett mit 7 Löchern ohne Klappen der Fall ist. Außerdem haben die Gis- und die B-Klappe eine andere Anordnung. Die Gis-Klappe befindet sich vorne und wird daher mit dem Ringfinger der linken Hand statt mit dem Daumen betätigt. Die B-Klappe befindet sich hinten in vertikaler Anordnung und wird mit dem rechten Daumen betätigt. Diese Anordnung findet sich nur bei Instrumenten aus den Werkstätten von Clair Godfroy aîné und Pierre Godfroy aus den 20er und frühen 30er Jahren des 19. Jahrhunderts. Da diese Klappen in einer der Grifftabellen von Jean Carnauds Méthod von 1830 auftauchten und Felix Carnaud jeune sie in seiner Nouvelle Méthode pour le flageolet (ca. 1846–1853)⁶² beschrieb, kann man davon ausgehen, dass sie auf Wunsch von Carnaud père entworfen und „von ihm und seinen Schülern“ auf diesem Flageoletttyp sowie auf dem achtlochigen und sechs-klappigen Flageolett verwendet wurden, auf das ich später noch eingehen werde.

 

c) Vier Klappen für Dis (1), Gis (2) und zwei grandes clefs de trilles (3).

Die grandes clefs de trilles (auch B- und H-Klappen genannt, später auch cadance) sind rechts vom unteren Metallring des Kopfstücks auf einem Sattel montiert. Sie werden mit dem zweiten Fingerglied des rechten Zeigefingers betätigt. Die obere Klappe erhöht jede Note um einen Halbton, die untere um einen Ganzton. Eine Grifftabelle für die Triller ist normalerweise in den Lehrbüchern enthalten.

Felix Carnaud⁶⁴ empfahl, den Ringfinger der linken Hand zu verwenden, um das 4. Loch zu schließen, anstelle des Zeigefingers der rechten Hand, wenn sowohl das 4. Loch als auch die petites oder grandes clefs du trille gleichzeitig verwendet wurden.

 

Fünfklappiges Flageolett

Wie schon beim Flageolett mit vier Klappen gibt es auch verschiedene Varianten des fünfklappigen Flageoletts. 

a) Fünf Klappen für Dis (1), Gis (2), B (3) und zwei petites clefs de trilles (4).

b) Fünf Klappen für Dis (1), Fis (2), Gis (3), B (4) und der ersten petit clef de trilles (5).

Bei diesem Typ wurde eine Klappe für Fis (2) hinzugefügt, die mit dem Mittelfinger der rechten Hand betätigt wird. Das Design der Klappe ähnelt dem der B-Klappe (4), befindet sich jedoch an einer anderen Position. 

 

c) Fünf Klappen für Dis (1), Gis (2), B (3) und zwei grandes clefs de trilles (4).

d) Fünf Klappen für Dis (1), Gis (2), clé de sifflet (3) und zwei grandes clefs de trilles (4).

Die clé de sifflet

Die letzte Klappe, die das Flageolett vor der Einführung der Böhm-Mechanik erhielt, war die clé de sifflet (3 in der Abbildung oben). Diese kleine Klappe, die sich auf der linken Seite des Kopfstücks befindet und mit dem zweiten Fingerglied des linken Zeigefingers betätigt wird, dient als zweite Oktavklappe für einige Töne im hohen Register (ab dem hohen A). Bei den Flageolett-Modellen mit Böhm-Mechanik wird die clé de sifflet, wie weiter unten erläutert wird, durch einen weiteren Mechanismus ergänzt, der mit einem Klappenhebel betätigt wird.

Fünfklappige Flageoletts der Variante d (mit Klappen für Dis (1), Gis (2), der clé de sifflet (3) und den beiden grandes clefs de trilles) können als „klassisches Flageolett“ der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesehen werden und werden neben dem Modell mit Böhm-Mechanik am häufigsten verwendet.

Sechsklappiges Flageolett

a) Modell nach Carnaud

Es gibt ein besonderes Modell eines Flageoletts mit acht Löchern und sechs Klappen, das von Jean Carnaud in Zusammenarbeit mit anderen Instrumentenbauern entwickelt wurde und in seiner Mèthode op. 36 von 1830 vorgestellt wird. Es ähnelt der Variante c des Flageoletts mit vier Klappen (vier Klappen + ein siebtes Loch), hat jedoch ein längeres Grifflochstück. Zusätzlich zum siebten verfügt es über ein achtes Loch und zwei neue Klappen (s. Abb. 71): E (geschlossen) und F (geöffnet). Das siebte Loch ersetzt die erste Klappe für das Dis. Wenn alle Löcher und Klappen geschlossen sind, erhält man ein H, und wenn die letzte Klappe (F) geöffnet ist, ein C. Das sind zwei zusätzliche Töne (eine kleine Terz) unterhalb des Standard-Flageoletts in D. Dieser Instrumententyp wird von Jean-Georges Karstner (1810–1867) in der 1844 gedruckten Ausgabe seiner Méthode erwähnt, aber er merkt an, dass er nicht weit verbreitet sei.⁷⁰

Es ließ sich kein Instrument nachweisen, das genau dem von Carnaud dargestellten entspricht, aber es ließen sich zwei andere belegen (die sich heute in deutschen Museen befinden)⁷¹, die sehr ähnlich sind, außer, dass das 8. Loch viel größer ist und nicht vollständig mit dem kleinen Finger der rechten Hand abgedeckt werden kann. Ihre Klappenmechanik ist ähnlich, mit dem einzigen Unterschied, dass die beiden petites clefs an dem Instrument von Godfroy wie üblich zusammen montiert sind, während sie an dem Instrument von Bellisent auf beiden Seiten des Instruments getrennt angebracht sind. Ohne beide Instrumente untersucht zu haben, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass sie genauso funktionieren wie das von Carnaud beschriebene. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie eine Variante oder Verbesserung von Carnauds Konzept darstellen könnten, wenn man bedenkt, dass die beiden Hersteller, Claire Godfroy aîné und Jacques Eléonore Bellisent, zu den bedeutendsten ihrer Zeit gehörten und dass ersterer offenbar Carnauds bevorzugter Hersteller war.

Noch ein weiteres Instrument weist einige Merkmale von Carnauds Konstruktion auf. Das achte Loch ist im Vergleich zu den vorherigen Beispielen kleiner, sodass es mit dem kleinen Finger verschlossen werden kann, und es scheint nur vier Klappen zu haben (Gis, B, plus die Klappen für das tiefe C und H), die beiden petites clefs de trilles fehlen.

 

b) Das Systême Bousquet

 Das Flageolett systême Bousquet mit 6 Klappen ähnelt einem 5-klappigen Flageolett der Variante d meiner Klassifizierung, verfügt jedoch über eine zusätzliche Klappe für das Fis (Cis in der Grifftabelle Abb. 74). Diese Grifftabelle findet sich in Bousquets Méthode de flageolet divisée en trois parties élémentaires et progressives augmentée de huit tablatures von 1857. Wir haben zuvor schon eine weitere Klappe für das Fis beim fünfklappigen Flageolett der Variante b gesehen, die mit dem Mittelfinger der rechten Hand betätigt wird. In Bousquets Version ist diese Klappe nicht auf der horizontalen, sondern auf der vertikalen Achse angebracht und wird mit dem rechten kleinen Finger betätigt.

 

Zusätzlich zu den sechs Klappen verfügt das oben abgebildete Instrument über eine Hebelklappe mit zwei weiteren Klappen für die hohen Töne, die von der Böhm-Version des Instruments abgeleitet sind. Diese Mechanik wird weiter unten näher erläutert.

 

c) Sechs Klappen für Dis, Fis, Gis, B und zwei petites clefs de trilles.

Siebenklappiges Flageolett

Flageoletts mit sieben Klappen für Dis, Fis, Gis, B, clé de sifflet und zwei grandes clefs de trilles wurden mindestens seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts hergestellt. Wir finden diesen Typ Flageolett mit bis zu 7 Klappen in den Verkaufskatalogen einiger Hersteller mindestens bis 1937.⁷³ Wie von Collinet und anderen kritisiert, entsprach das Hinzufügen einiger dieser zusätzlichen Klappen eher einem kommerziellen Interesse, unter dem Vorwand, dass eine größere Anzahl von Klappen das Beherrschen des Instruments erleichtere, als einem echten technischen Bedarf. Die gebräuchlichsten Flageoletts in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Variante d des fünfklappigen Flageoletts und das Flageolett mit Böhm-Mechanik.

 

Das Flageolett mit Böhm-Mechanik

Der letzte Schritt in der Entwicklung des Instruments war die Anpassung des 1832 entwickelten Böhm-Systems mit Ringklappen an ein Flageolett mit vier Klappen (Dis/Ais – Flageolett in A, Gis/Dis – Flageolett in A und die beiden grandes clefs de trilles. Die clé de sifflet wird später ebenfalls hinzugefügt). Es handelt sich um die am weitesten entwickelte Version des Instruments, die es näher an die Entwicklung der Orchester-Blasinstrumente rückt. Das Böhm-System, das zuerst bei der Querflöte verwendet wurde, verfolgte drei grundlegende Ziele: 

1. Es sollte ermöglichen, Löcher mit optimaler Größe und akustischer Position zu bohren, 

2. alle Löcher unterhalb der gespielten Note sollten geöffnet sein, um deren Klangfülle zu verbessern, 

3. Gabelgriffe sollten reduziert werden. 

Aufgrund der relativ geringen Größe des Flageoletts, die keine zu großen Löcher zuließ, sind die erzielten Verbesserungen jedoch nicht mit denen der Querflöte vergleichbar, und einige Gabelgriffe waren weiterhin erforderlich. Dennoch wurde die allgemeine Intonation des Instruments verbessert, und es erhielt einen größeren Tonumfang in den hohen und tiefen Registern, der dank zweier offener Klappen für das tiefe G und Gis um einen Ton nach unten erweitert wurde, wodurch es im Vergleich zum gewöhnlichen Flageolett in A auch länger wurde. Da der kleine Finger der rechten Hand zum Bedienen der neuen Klappen für G und Gis benötigt wurde, konnte er nicht mehr als Stützfinger dienen. Die Lösung bestand darin, den unteren Zierring zu entfernen, und unterhalb des sechsten Lochs einen Fingerhaken für den rechten Ringfinger anzubringen, um das Instrument zu halten.

Es ist nicht bekannt, wer zuerst die Böhm-Mechanik an das Flageolett angepasst hat. Zwei Namen werden mit dieser Entwicklung in Verbindung gebracht: François Joseph Gyssens (ca. 1812–1888)75 und Jean-Louis Buffet (1813–1865). 

 

Das Gyssens-Flageolett

François Joseph Gyssens (ca. 1812–1888)76 arbeitete für Louis-Auguste Buffet jeune (1789–1864), den Onkel von Jean-Louis Buffet-Crampon und Hersteller von Flöten, Klarinetten, Flageoletts usw.77 

Während dieser Zeit konnte er sich mit der Mechanik des Böhm-Systems vertraut machen, da Louis-Auguste Buffet 1838 ein 5-jähriges Patent für eine „neue Flöte“ anmeldete. Diese ist als Buffet-Coché-Modell78 bekannt, die die Böhm-Mechanik von 1832 erstmalig in Frankreich adaptierte. Gyssens arbeitete auch für Jean-Louis Buffet-Crampon, und am 24. September 1845 meldeten beide ein 15-jähriges Patent für „Verbesserungen an der gewöhnlichen Klarinette“79 an. Auch in ihrem Entwurf fand das Konzept von Böhm Anwendung.

Im selben Jahr gründete Gyssens seine eigene Werkstatt in der Rue Montmarte Nr. 46 und erwarb sich nach und nach einen guten Ruf als Hersteller von Blasinstrumenten. Auf der Industrieausstellung von 1849 zeigte er eine Querflöte und ein Flageolett und erhielt für beide Instrumente eine lobende Erwähnung.80

„Die Werkstatt von Herrn Gyssens besteht erst seit vier Jahren; daher ist dies die erste Ausstellung dieses Künstlers. Wir hörten von ihm eine gute Querflöte, die den zweiten Platz verdient, sowie ein Flageolett. Wir hoffen, dass Herr Gyssens mit seinem Debüt ebenso zufrieden ist wie wir mit der Bekanntgabe, dass die Jury ihm eine lobende Erwähnung zuspricht.“81

Er stellte seine Instrumente erneut auf der Ausstellung von 1855 vor (Klarinetten, Flöten und Flageoletts)82 und zog sich 1860 laut Waterhouse aus der Herstellung von Holzblasinstrumenten zurück.83 Er war jedoch weiterhin an der Entwicklung der Klarinette beteiligt und meldete in den Jahren 1878, 1879, 1880 und 1885 mehrere Patente an, zusätzlich zu einem früheren Patent aus dem Jahr 1852.84

Am 15. Oktober 1846 meldete Gyssens ein 15-jähriges Patent für „Verbesserungen bei der Herstellung gewöhnlicher Flageoletts” an.85 Dieses Patent wurde am 1. Dezember desselben Jahres unter der Nummer 4429 genehmigt und ist die erste Aufzeichnung über die Anwendung des Systems beweglicher Ringe und Klappen von Böhm auf dem Flageolett.

Laut Patentschrift „bestanden die Verbesserungen in der Hinzufügung und Verwendung eines Klappenhebels und vier Klappen, die es ermöglichen, ein sonores H, das Cis der ersten Oktave, das D und Dis der zweiten Oktave und das G der ersten Oktave zu erzielen, die alle perfekt stimmen. Durch die Verwendung des Klappenhebels ist es auch möglich, G, Gis und A in der zweiten Oktave zu spielen. Der Gesamtklang der Töne ist kräftiger als bei einem gewöhnlichen Flageolett, insbesondere bei den Tönen H, Cis, D, G und dem hohen Dis. (Er erklärt die Griffweise und die Verwendung der neuen Klappen und Ringe für diese Töne) … Um den Tonumfang bis zum G und Gis zu erweitern, ist es notwendig, den unteren Teil des Instruments zu verlängern und zwei neue [offene] Klappen unterhalb der B-Klappe hinzuzufügen.“86

Hinter dieser einfachen Beschreibung verbirgt sich das System der Ring- und Achsklappen und der Nadel-Federn, die charakteristisch für Böhms Mechanik sind.

Wenn man Gyssens' Patentzeichnung von 1846 mit Bousquets Zeichnung von 1857 vergleicht, sind einige Unterschiede zu erkennen, obwohl das grundsätzliche Design dasselbe ist. In beiden Zeichnungen ist der Fingerhaken zum Halten des Instruments vorhanden (blauer Punkt), aber die offenen Klappen für G und Gis (rote Punkte in Bousquets Zeichnung) fehlen, obwohl Gyssens sie im Text beschrieben hat.

 

Ein weiterer Unterschied betrifft die Mechanik des Klappenhebels. Im Patent befinden sich der Drücker und die dazugehörige Mechanik an der Vorderseite, während in Bousquets Zeichnung der Drücker an der Seite und die Mechanik an der Rückseite zu sehen sind. Bei allen untersuchten Instrumenten von Gyssens entschied er sich für die zweite Version.

 

In der Patenschrift gibt Gyssens an, dass er auf die clé de sifflé verzichte, da mit den übrigen Klappen die hohen Töne F, G und A gespielt werden könnten. Diese Klappe ist jedoch in Bousquets Zeichnung und bei allen untersuchten Instrumenten von Gyssens, vorhanden, sodass es den Anschein hat, dass Gyssens seine Meinung in diesem Punkt schließlich geändert hat.

 

Verglichen mit dem Buffet-Crampon-Halb-Böhm-System und anderen konkurrierenden Flageoletts mit Böhm-Mechanik vereinfacht Gyssens' Design die Mechanik in einigen Aspekten. Er verzichtet zum einen auf die unabhängige erste Klappe für B/Ais, die im Buffet-Design beibehalten wird, und ersetzt sie durch eine leicht modifizierte Dorus-Klappe87, die den ersten Ring mit der Klappe für B kombiniert. Auf diese Weise benötigt sein Flageolett ein Loch weniger.

 

Zum anderen montiert er für die hohen Töne – neben dem Oktavloch – einen Klappenhebel, der mit der großen Trillerklappe verbunden ist, sodass beim Drücken sowohl diese als auch eine weitere Klappe am Korpus geöffnet werden. In der Ausführung von Buffet-Crampon und anderen Herstellern ist dieser Klappenhebel jedoch unabhängig, was bedeutet, dass weitere Mechanik und Löcher hinzugefügt werden müssen.

Gyssens' Flageolett-Patent lief 1861 aus, sodass andere Hersteller sein Design kopierten. Spätestens seit 1865 verkaufte die Firma Gautrot aîné & Cie Böhm-Flageoletts mit Gyssens' Design.

 

Gyssens verwendete für einige seiner Instrumente auch neue Materialien. Anstelle des traditionellen Zedernholzes für den Block fertigte er diesen aus Guttapercha. Guttapercha ist eine Art von hartem Latex, der aus Bäumen der Gattung Palaquium gewonnen wird und als natürlicher Thermoplast mit hoher Wasserbeständigkeit fungiert. Es wurde 1843 klassifiziert und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts intensiv genutzt. Dieses Material wurde auch von anderen Herstellern verwendet.

 

Jean-Louis Buffet-Crampon (1813–1865)

Die Karriere von Jean-Luis Buffet als Hersteller von Holzblasinstrumenten begann 1830, als er sich in Paris niederließ. Er stammte aus einer Familie von Holzblasinstrumentenmachern, die ursprünglich aus La Couture-Boussey stammte. Sein Vater, Denis Buffet-Auger (1783–1842), und seine Onkel, Louis-Auguste Buffet jeune (1789–1885) und François Buffet (1794–1875), waren ebenfalls bekannte Hersteller von Blasinstrumenten. Er nahm an der Pariser Industrieausstellung von 1839 teil, wo sein Flageolett gepriesen wurde: 

„Diese kleinen Instrumente wurden mit ebenso großer Sorgfalt getestet wie die anderen und konnten ebenfalls nach ihrer Qualität eingestuft werden: Ein Flageolett von Herrn Buffet fils schien allen anderen sowohl hinsichtlich seiner Stimmgenauigkeit als auch seiner Klangreinheit überlegen zu sein.“88

Er nahm ebenfalls an der Ausstellung von 1844 teil und erhielt eine Bronzemedaille für seine Flöte, Klarinette und sein Flageolett89 sowie an der Ausstellung von 1849, wo sein Flageolett den ersten Platz belegte.90

1841–1842 änderte er seinen Markennamen in Buffet-Crampon91 und verwendete dabei auch den Nachnamen seiner Frau92, um sich von seinem Onkel und Rivalen Louis Auguste Buffet jeune zu unterscheiden. 

Am 31. März 1847 erhielt Buffet-Crampon ein 15-jähriges Patent „für Verbesserungen im Hinblick auf die Herstellung von Flageoletts“93, das am 15. Juni 1847 genehmigt wurde. Es ist sicher, dass er mit Gyssens' Design vertraut war oder zumindest davon gehört hatte, da beide sich kannten und zusammengearbeitet hatten. Buffets Entwurf war einfacher als der von Gyssens. Er verwendete die Böhm-Mechanik nur in Teilen („Demi systême Boehm“, wie Narcisse Bousquet es nannte) für ein vierklappiges Flageolett. Wie bei Gyssens enthielt der im Patent vorgestellte Entwurf keine clé de sifflet, die später aber an seinen Halb-Böhm- und Voll-Böhm-Flageoletts montiert wurde.

Leider konnte kein Instrument mit diesem Design ausfindig gemacht werden, doch gibt es andere Versionen eines Halb-Böhm-Flageoletts von Buffet-Crampon. Auf dem folgenden Bild sind eine Patentzeichnung von 1847 sowie eine Zeichnung zu sehen, die N. Bousquet in die Tabulatur für das Flageolett mit Halb-Böhm-System von Buffet-Crampon aufgenommen hat.94 Das Design des Flageoletts in Bousquets Méthode ähnelt am ehesten den untersuchten Halb-Böhm-Instrumenten von Buffet-Crampon.

 

Wie Gyssens verlängerte Buffet das Instrument und fügte zwei offene Klappen (A und B) für das tiefe G und Gis hinzu. Beide Klappen können mit dem kleinen Finger der rechten Hand oder mit einem Hebel (C) betätigt werden, der mit dem kleinen Finger der linken Hand bedient wird, sodass der andere kleine Finger frei bleibt, um das Schallloch abzudecken und das tiefe Fis oder F zu spielen. Außerdem gibt es einen Fingerhaken, um das Instrument zu halten.

 

Diese Mechanik scheint auch in Bousquets Zeichnung zu sehen zu sein, aber da sie nicht die komplette Mechanik zeigt und bisher kein Instrument mit diesem Hebel (C) gefunden wurde, ist das nicht mit absoluter Sicherheit zu sagen. 

Buffet hat auch eine Mechanik für die Cis- und andere Klappen angebaut, um die Stimmung und den Klang von F, G und dem hohen D, Dis und E zu verbessern. 

Eine detaillierte Analyse dieses Patents wird zurückgestellt, bis ein entsprechendes Instrument untersucht werden kann. 

Sieht man sich nun erneut Bousquets Zeichnung und mehrere Instrumente an, ist festzustellen, dass Buffet seinen Entwurf für das Halb-Böhm-Flageolett modifiziert hat. Die endgültige Version ähnelt der von Bousquet, mit einem zusätzlichen Klappenhebel für die hohen Töne.

Das Flageolett der Abb. 102 entspricht diesem Instrumententyp. Wir sehen, dass außer den 5 Klappen eines gewöhnlichen Flageoletts (Ais, Dis, clé de sifflé und den grandes clefs de trille) noch zwei offene Klappen für G und Gis, die Klappenhebel für das hohe Register (ähnlich wie in Abb. 92) und drei Ringklappen für die Löcher der rechten Hand, die auf einer Achse montiert sind, zwei vorne mit offenen Klappendeckeln und eine hinten, vorhanden sind.

Auf dem nachfolgenden Bild ist ein mutmaßliches Porträt Jean-Louis Buffet-Crampons von Auguste Delâtre (1822–1907) aus dem Jahr 1847 zu sehen. Zu seiner Rechten sind ein gewöhnliches Flageolett, eine zerlegte Windkapsel eines weiteren Flageoletts und eine Böhmflöte abgebildet.

 

Beide Entwürfe, der von Gyssens und der von Buffet-Crampon, wurden von führenden Virtuosen und Komponisten für dieses Instrument geschätzt, darunter Narcisse Bousquet (ca. 1800–1869), der einen Großteil seiner Werke für das Böhm-Flageolett komponiert hat. 

Nachdem die Patente von Gyssens und Buffet 1861 und 1862 abgelaufen waren, kopierten verschiedene Flageolett-Hersteller ihre Entwürfe oder passten sie an. 1862 meldete Jean Leroux aîné ein 15-jähriges Patent „zur Verbesserung des Flageoletts“95 an, in dem er Gyssens Entwurf modifizierte. 

Einige dieser Vorschläge kombinierten auch die Ideen beider Hersteller. Das Instrument (Abb. 106) von François Buffet (1794–1875),96 dem Onkel von Buffet-Crampon, ist ein Halb-Böhm-Flageolett mit einigen von Gyssens Klappenkonstruktionen für die unteren Löcher.

 

Das Flageolett (Abb. 107) von Martin Thibouville aîné (1792–1878) kopiert Gyssens Entwurf, verwendet jedoch anstelle der Dorus-Klappe für das B eine unabhängige Klappe, wie beim gewöhnlichen Flageolett oder bei Buffets Böhm-Flageolett.

 

Andere Flageoletts von Lambert, M. Thibouville aîné usw. kombinieren die oberen Ringklappen des Gyssens-Design mit ähnlichen Klappen für die rechte Hand, wie sie an Buffets Flageolett in Abb. 100 zu finden sind.

 

Ebenfalls verbreitet war ein ähnliches Design, jedoch mit einer zusätzlichen Klappe (roter Punkt in Abb. 109), die mit der ersten Ringklappe der rechten Hand verbunden war.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts scheint sich ein bestimmtes Böhm-Design durchgesetzt zu haben, bei dem alle vorderen Ring- und Deckel- Klappen auf einer einzigen Achse montiert sind – auch mit einer unabhängigen Klappe für das B.

Einige Merkmale des Böhm-Flageoletts wurden auch auf das gewöhnliche Flageolett übertragen. Dies gilt beispielsweise für die Ringklappen für das tiefe und hohe Cis, ein problematischer Ton auf dem gewöhnlichen Flageolett. So muss nur das hintere Ringloch A (plus die ersten drei oberen Löcher) geschlossen werden, wodurch auch der Klappendeckel b geschlossen wird, um ein stimmenden Cis zu erhalten.

Ebenso gilt das für den Klappenhebel für das hohe Register und die unteren geöffneten Klappen für G und Gis.

 

Fazit 

In diesem 3. Teil über das französische Flageolett habe ich versucht, die organologische Entwicklung des Instruments im Laufe des 19. Jahrhunderts zu erläutern. Noch zu betrachten bleiben, sein Repertoire, die Interpreten und der soziale Kontext, in dem das Instrument verwendet wurde. Da sich jedoch andere Autoren mit diesen Themen befasst haben, empfehle ich allen Interessierten, sich näher mit ihnen zu beschäftigen.

 

 

Anmerkungen:

[1] Soixante ariettes choisies de différents opéra nouveaux arrangées pour deux flageolets… | Gallica (bnf.fr). 

[2] Die Sammlung war Monsieur de Saint Simon gewidmet, Colonel en second du Regiment Royalle Auvergne. Claude de Rouvroy de Saint-Simon (1752–1811) gehörte dem Regiment zwischen 1782 und 1788 an, daher die Datierung von James Sammlung. 

[3] Soixante ariettes choisies de différents opéras nouveaux. Arrangées pour deux flageolets avec les principes pour cet instrument… | Gallica (bnf.fr). 

[4] Abrégé ou Précis des principes de musique | Gallica (bnf.fr). 

[5] „La gamme pour le flageolet“, Abbildung 2 von 6 | MDZ (digitale-sammlungen.de). 

[6] Nikolaj Tarasov: Duct flute in the Nineteenth Century, in: David Lasocki und Robert Ehrlich, The Recorder, New Haven - London 2022, YUP, S. 220. 

[7] René Pierre: Dictionnaire des poinçons d'or et d'argent. Relevés sur les instruments de musique à vent Français et Belges du XIXe au XXe. Larigot spécial Nº XXX, Paris 2022, ACIMV, S. 112. 

[8] Idem, S. 172. 

[9] Lenz Meierott: Die Kleinen Flötentypen, Tutzing 1974, H. Schneider. S. 55 und Fußnote 130. 

[10] Populäre Lieder. 

[11] Den ersten Hinweis auf E. Collinet, den wir gefunden haben, erschien im Journal de L’Empire vom 30. Mai 1806, S. 4. 

[12] Obwohl die Nummerierung des Flageolettparts und der übrigen Stimmen unterschiedlich ist: IV/V, handelt es sich um dasselbe Konzert. Quatrième concerto pour flageolet principal, deux violons, alto et basse, deux hautbois et deux cors tiré des œuvres de J. Michel, arrangé… par J. Bellay | Gallica (bnf.fr). 

[13] Archives Musique, Facteurs, Marchands, Luthiers.: Edmé COLLINET le père et Hubert Collinet le fils, virtuoses du flageolet au XIXème siècle. COLLINET father and son, virtuoso flageolet in the nineteenth century. (rp-archivesmusiquefacteurs.blogspot.com). 

[14] The Bird Fancyer’s Delight. Herausgegeben von R. Meares (1717) und J. Walsh (1730) in London. Auf der Titelseite findet sich die Abbildung eines Vogelflageoletts mit Windkapsel. 

[15] French flageolet – Detail (mimo-international.com). 

[16] Jean-Georges Kastner: Méthode élémentaire pour le flageolet, suivie d'airs et d'exercices gradués, composée pour l'usage des Pensions. Paris 1844, Troupenas, S. 7. Diese Idee wurde schon früher publiziert, u. a. in The Bird Fancyer’s Delight (1717/1730), in Diderot’s Encyclopédie (1767) und in anderen Lehrwerken. 

[17] Au moyen d'une épone fine qu'on introduit dans la pompe, toute l'humidité produite par le souffle et l'haleine se trouve absorcée et ne peut plus nuire à la qualité du son, ce qui arrice toujours avec les Flageolets à bec. Kastner, Méthode élémentaire pour le flageolet, suivie d'airs et d'exercices gradués, composée pour l'usage des Pensions, Kastner, S. 7. 

[18] Meierott (Fn 9), S. 64–55. Meierott verwendet diegleiche Klassifikation wenn auch in anderer Reihenfolge. 

[19] Meierott (Fn 9), S. 65. 

[20] William Waterhouse: The New Langwill Index (NLI), London 1993, Tony Bingham, S. 148. 

[21] Jean Carnaud: Méthode pour le Flageolet sans clefs à une, à deux à trois à quatre à cinq et six clefs dediée a ses deux fils par Carnaud, op. 36, Paris ca. 1830, Richault. 

[22] Au lieu d’une éponge, le baril peut contenir un réservoir inventé depuis peu par Mr. Godfroy Aîné, facteur d’instruments à vent, rue Montmartre, Nº 67, qui produit le meme effet. Les Pompes sans Réservoir ou à Resérvoir s’adaptent à tous les Flageolets quelles que soient leurs deimensions et le nombre de leurs clefs. (Fn 21), S. 6. 

[23] Tula Giannini:Great Flute Makers of France. The Lot & Godfroy Families1650–1900, London 1993, Tony Bingham, S. 91, Abb. 48. 

[24] Waterhouse (Fn 20), S. 23. 

[25] Felix Carnaud jeune: Nouvelle Méthode pour le flageolet. Ecrite à lùnisson de la petite FLute, pour jouer sans transposition les parties de Flute des orchestres de dance, (2. Auflage), Paris ca. 1850–1853, Lafleur, S. 5. Die erste Auflage stammt von 1846 und die 2. erschien zwischen 1850 und 1853, laut den Adressen des Autors und des Verlages. 

[26] On met ordinairement une éponge dans le baril du Flageolet pour retenir une partie de la salive, ce precédé à l’inconvénient de rendre l’instrument plus dur en l'assourdissant; l’auteur a imaginé un réservoir qui peut s’adapter à tous Ies Flageolets et qui n’a pas cet inconvénient. (Fn 25). 

[27] Felix Carnaud jeune: Méthode pour le flageolet à 1, à 2, à 3, à 4 ou à 5 clefs, Paris 1865, Carnaud, S. 10. 

[28] L’éponge que l’on met ordinairement dans le baril du FLAGEOLET pour retenir une partie de la salive, à le désavantage de rendre l'instrument plus dur en l'assourdissant; l'auteur a inventé un rérervoir ((1) Réservoir Carnaud, 50c) qui peut s’adapter à tous les FLAGEOLETS et qui n'a pas cet inconvenient. (Fn 27). 

[29] Giannini (Fn 23), S. 133–155. 

[30] In der Preisliste von C. Godfroy aîné aus dem Jahr 1827 betrug der Preis für ein Mundstück aus Elfenbein mit einer Kugel 3 Francs und mit zwei Kugeln 4 Francs. Giannini (Fn 21), S. 91. 

[31] Basierend auf den Instrumenten, die wir analysieren konnten. Es wäre jedoch eine umfassendere Studie erforderlich. 

[32] Das ist der Fall bei Carnauds Modell und beim Böhm-System-Flageolett. 

[33] Giannini (Fn 23), S. 78. 

[34] Sie öffneten das Loch erst, wenn sie betätigt wurden.

 [35] Carnauds Modell. 

[36] Meierott (Fn 9), S. 54. 

[37] J. Bellay und de Vizien: Nouvelle Méthode de Flageolet, ca. 1803–1804, Paris. Der früheste, uns bekannte Hinweis auf diese Schule erschien in der Allgemeinen Literatur – Zeitung vom Jahre 1804, S. 1617. 

[38] Die Tonbezeichnungen basieren auf der d-Skala, mit Ausnahme beim Böhm-Flageolett, bei dem die A-Skala zugrunde liegt. 

[39] Carnaud (Fn 21), S. 7. 

[40] Collinet (Fn 11). Für die 2. Auflage von 1813: Bibliographie de l'Empire Français, Bd. III, Paris 1813, Pillet, S. 79. 

[41] Waterhouse (Fn 20), S. 223. 

[42] Die Datierung dieser Methode erfolgte anhand der Referenz in den Petites Affiches de Lyon et Annonces Judiciaires, Nº 57, Lyon 17. Juli 1811, S. 6. 

[43] Application au flageolet d'une clef servant à faire les demi-tons. Bulletin de la Société d'encouragement pour l'industrie nationale, Paris 1825, Madame Huzard, S. 34. Eine Transkription des Patents findet sich in: M. Christian, Description des machines et procédés consignés dans les brevets d'invention …, Paris 1829, Madame Huzard, S. 260. 

[44] Waterhouse (Fn 20), S. 194. 

[45] Une sele clef qui bouche et débouche un trou ercé sur le sifflet même du Flageolet. Je ne parle de cette clef que pour avertir les mateurs que ne seraient pas connaisseurs qu'elle ne vaut absolument rien, puisque au lieu de remplacer les autres clefs en faisant toutes les notes diézées et bémolisées ainsi que le prétendaient l'auteur de cette belle découverte et quelques facteurs qui en ont adapté à leurs instruments, elle de hausse chaque note de la gamme que d'une nuance sourde d'environ un quart de ton, intervalle qui ne peut servir qu'a faire jouer faux. Carnaud (Fn 21), S. 7. 

[46] C. Eugéne Roy: Nouvelle méthode théorique et pratique pour le flageolet à plusieurs clefs et sans clef; par C. E. Roy. 3 fr. 50 c., Paris 1820, Chez Janet et Cotelle. Zitiert in Bibliographie de la France ou Journal Général de l’imprimerie et de la Librairie, Paris 1820, Pillet Aîné, S. 276. 

[47] Prenez la clef du sol #, (Fn 46), S. 3. 

[48] Pierre (Fn 7), S. 78. 

[49] Hubert Collinet: Collinet’s Hand Book for the Flageolet. With introductory remarks, the rudiments of music, the Proper Method of producing a Perfect Chromatic Scale, by the use of only Two Keys, London ca. 1860–1964, C. Sheard. 

[50] The Flageolet is very simple, and that the Books which treat of elaborate fingerings upon Flageolets with many Keys are merely attempts of the makers to foist expensive Instruments upon the beginner. This fact will be better understood, when it is known that only two Keys are ever used by really competent players, and that one Key alone is sufficient for most passages. (Fn 49), S. 1.

[51] Flageolet à pompe en ré | Europeana. 

[52] Les cadences, très difficiles à exécuter sur le flageolet ordinaire, se font presque sans peine sur le flageolet à trois clefs. Journal de Dames et des modes … Vol. 24 (Trentième année), Paris 1826, S. 539. 

[53] „Leroy, Eugène: Nouvelle méthode pour le flageolet“, Bild 1 von 30 | MDZ (digitale-sammlungen.de). 

[54] „Leroy, Eugène: Méthode pour le flageolet à clefs et sans clefs, flageolet (2) - BSB Mus.Schott.Ha 2110-4“, Bild 1 von 39 | MDZ (digitale-sammlungen.de). 

[55] Pierre (Fn 7), S. 76. 

[56] Hippolyte Bonnisseau: Nouvelle méthode de flageolet avec et sans clef, contenant les Principes de Musique raisonnée, Gammes, Exercices progressifs pour parvenir à une prompte exécution, suivie d'Airs, Romances, Marches, Contredances, Valses, Préludes, Points d'orgue et Morceaux choisis de différents Auteurs …, Paris ca. 1829. Zitiert in Revue bibliographique du Royaume des Pays-bas et de l'Étranger. 8º Année (Nos 35 et 36), Paris 30 septembre 1829, S. 432. 

[57] Narcisse Bousquet: Méthode de flageolet divisée en trois parties, élémentaires et progressives, augmentée de huit tablatures aux système des premiers luthiers de Paris MM. Buffet Campon et Gyssens, Paris 1857, Tondu Simon. 

[58] Narcisse Bousquet war einer der bedeutendsten Spieler, Pädagogen und Komponisten für das Flageolett im 19. Jahrhundert. https://www.moeck.com/tibia/tibia-online/artikel?tibiaarticle=2217

[59] Pierre (Fn 7), S. 115. 

[60] Ebd., S.89. 

[61] Ebd., S. 88. 

[62] F. Carnaud (Fn 25), S. 5. 

[63] Pierre (Fn 7), S. 111. 

[64] F. Carnaud (Fn 25), S. 5. 

[65] Ebd., S. 85–86. 

[66] Waterhouse (Fn 20), S. 229. 

[67] Pierre (Fn 7), S. 111. 

[68] Pierre (Fn 7), S. 108. 

[69] Catalogue Couesnon 1934 (free.fr). 

[70] Kastner (Fn 16), S. 12. 

[71] https://www.europeana.eu/item/09102/_GNM_836233.

https://digital.deutsches-museum.de/de/digital-catalogue/collection-object/5500/.

[72] https://www.europeana.eu/item/09102/_UEDIN_1065

[73] Catalogue I. M. Manufacture Générale d'Instruments de Musique. L'Industrie Musicale. (luthiers-mirecourt.com), S. 55. 

[74] (Fn 72), S. 55. 

[75] Die klingende Länge eines Böhm-System-Flageoletts in A ist ca. 185–195 mm. Soweit wir wissen, wurde das Böhm-System nur an das Quadrille-Flageolett in A angepasst.. 

[76] Waterhouse (Fn 20), S. 54. 

[77] Ebd., S. 50. 

[78] Buffet-Coché flute pictures: https://www.originalflutes.com/sold-flutes/Auguste_Buffet.html.

[79] De perfectionements ajoutés à la clarinete ordinaire. 

[80] Le Comte Ad. De Pontécoulant: Organographie, essai sur la facture instrumentale. Art, Industrie et Commerce. Paris 1861, Castel, S. 466. 

[81] Mention honourable / M. GYSSENS, rue Montmartre, n° 35 (sic), à Paris. L'établissement de M. Gyssens n'existe que depuis quatre ans; par conséquent, c'est la première fois que cet artiste expose. Nous avons entendu de lui une bonne flûte ordinaire qui a mérité le second rang, ainsi qu'un flageolet. Nous désirons que M. Gyssens soit aussi content de son début que nous le sommes de lui annoncer que le jury lui accorde une mention honorable. Rapport du Jury Central sur les produits de l’agriculture et de l’industrie exposés en 1849, Tome II, Paris 1850, Imprimerie Nationale, S. 608. 

[82] Exposition universelle de 1855: Rapports du Jury mixte international, Tome II, Paris 1856, Imprimerie Impériale, S. 656. 

[83] Waterhouse (Fn 76), S. 54. 

[84] INPI. 

[85] Pour des perfectionemets apportés dans la fabrication des flageolets ordinaires. 

[86] Les perfectionnemens dont il s’agit, consistent dans l’addition & l’application d’un spatula & de quatre clefs à l’aide des quelles on obtient sur les flageolets un si naturel sonore, l’ut dieze 1er. Octave, le re’ naturel & le re’ dieze 2ème. octave, & le sol natural 1er. octave, le tout parfaitement juste. S’obtiens égalment à l’aide de la spatule, le sol naturel, le sol dièze & le la 2ème. octave & au dessus. La sonorité des notes est beaucoup plus grande que celle que l’obtient sur le flageolet ordinaire, notamment celle des notes designees ci-après…Pour faire descendre le flageolet au sol naturel, il est necessaire d’allonger le corps de l’instrument á sa partie inferieure, & d’ajouter deux clefs au dessous de celle du si bémol. 

[87] Dorus Gis-Klappe (oldflutes.com).

[88] Ces petits instruments ont été essayés avec autant de soin que les autres, et ils ont pu de même être classés par ordre de mérite un flageolet de M. Buffet fils a paru supérieur à tous les autres, tant par la justesse que par la pureté des sons. Exposition des produits de l'industrie française EN 1839. Rapport du jury central, Tome II, Paris 1839, L. Bouchard-Huzard, S. 363–364. 

[89] Revue Scientifique et industrielle, Tome I, Paris 1844, Louis Colas, S. 429. 

[90] Rapport du Jury Central sur les produits de l’agriculture et de l’industrie exposés en 1849, Tome II, Paris 1850, Imprimerie Nationale, S. 608. 

[91] Pierre (Fn 7), S. 75. 

[92] Zoë Crampon (1815–1873). 

[93] Des perfectionnements apportés dans la construction des flageolets. 

[94] Demi systême Boehm. 

[95] Pour des perfectionements dans la construction des flageolets. 

[96] Pierre (Fn 7), S. 76. 

[97] Ebd., S. 119.

Übersetzung aus dem Englischen: TIBIA

 

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