30 beliebte Stücke, Schott Music, Mainz 2026, ED 24022, € 18,00, pdf-Download für € 12,99
Best of Flute Solos, herausgegeben von Gefion Landgraf, die für eine ansprechende Stückauswahl auch in ihren Flötenlehrwerken steht, vereint das flötistische Standardrepertoire des 18. Jahrhunderts mit Solowerken – oder Einzelsätzen daraus – bis in die Gegenwart.
Der Band beginnt chronologisch mit den Folies d’espagne von Marin Marais. Auch wenn zu den Folies ursprünglich eine Continuo-Stimme gehört, haben sie sich doch im flötistischen Solo-Repertoire bewährt. Gefion Landgraf orientiert sich an der Übertragung der ursprünglich 32 Variationen für Viola da gamba für Flöte durch Hans-Peter Schmitz und wählt aus dessen 25 wiederum neun aus. Jede Flötistin oder jeder Flötist könnte auch eine eigene Auswahl treffen.
Die Fantasie Georg Philipp Telemanns kann gewissermaßen als „Teaser“ für die restlichen 11 Fantasien dienen. Für eine vertiefte Beschäftigung mit der Partita Johann Sebastian Bachs und der Flötensonate seines Sohnes Carl Philipp Emanuel allerdings kann der Band Urtext-Ausgaben nicht ersetzen (so verzichtet die Herausgeberin in der Partita auf die Wiederholungszeichen am Ende der Allemande, was eher von einer häufig praktizierten Lösung her gedacht scheint).
Von den klassisch-romantischen Kompositionen von Johann George Tromlitz bis Louis Drouet ist die Stückauswahl bei Friedrich Kuhlau besonders gelungen: Sowohl die Variationen über Mich fliehen alle Freuden als auch das Capriccio, beide aus op. 10b, bestechen durch Originalität und eine angenehme Kürze gegenüber anderen Werken aus seiner Feder. Eine besondere Neuentdeckung ist auch die Sarabande von Emil Kronke aus seiner Suite op. 175. Hier findet sich am Ende von Takt 40 als kleiner Druckfehler eine überflüssige Achtelpause.
Der Band ist ausgesprochen sorgfältig ediert mit einem einheitlichen klaren und großzügigen Notenbild. Nur im asiatisch angehauchten Jade von Pierre Octave Ferroud findet sich eine unglückliche Wendestelle, zumal im Anschluss eine Seite frei bleibt.
Der Band wird vom Verlag als mittelschwer eingeordnet, enthält aber auch technisch schwere Stücke wie den Saltarelle aus der Solosuite von Jean Françaix. Immagini von Violeta Dinescu ist das einzige Sück einer Komponistin und gleichzeitig das einzige avantgardistische Stück mit einem sparsamen Einsatz von zeitgenössischen Spieltechniken wie Multiphonics und Flatterzunge, aber in der Notierung ohne zusätzliche Erklärungen an einigen Stellen nicht ohne Weiteres verständlich. Sicher gäbe es noch mehr Stücke von Komponistinnen zu entdecken (beispielsweise Andante appassionato von Elisenda Fábregas).
Neben wenigen gekürzten Fassungen (Eugène Walckiers) ist als vollständiges Werk neben Syrinx von Claude Debussy auch die Sonata appassionata von Sigfrid Karg-Elert aufgenommen. Aber auch die Einzelsätze wie das Klagelied von Joseph Lauber können dazu anregen, sich auch in seine restlichen Morceaux caractéristiques zu vertiefen.
Gerade für fortgeschrittene und erwachsene Schülerinnen und Schüler sind die Flute solos als Fundgrube der verschiedensten Epochen unbedingt zu empfehlen, zumal der günstige Preis niemanden abschrecken sollte. Aber auch erfahrene Flötistinnen und Flötisten werden dort Anregungen für die Erweiterung ihres Solo-Repertoires finden.
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