(vor 1947), herausgegeben von Peter Thalheimer, NotaBene-Edition, Schwäbisch Hall 2026, NB 3.009, € 12,00
In der generellen heutigen Wahrnehmung beginnt das Repertoire für Blockflöte im 20. Jahrhundert erst in den 60er Jahren, als Komponisten der damaligen Avantgarde, meist auf Anregung durch bekannte Interpreten, sich ermutigt fühlten, die Blockflöte als ernstzunehmendes Instrument zu behandeln und mit Kompositionen zu bedenken.
Alles, was vor und während des 2. Weltkriegs geschrieben war, wird zumeist wegen des Verdachts auf nicht primär künstlerisch motivierte „Spielmusik“ oder möglicher ideologischer Einfärbung ausgeblendet. Einzig das Blockflötentrio von Paul Hindemith aus der Musik zum „Plöner Musiktag“ 1932, also von einem Komponisten mit unbestreitbar epochaler Bedeutung, kann sich gelegentlich einer Würdigung durch Aufführungen erfreuen.
Ja, gab es denn überhaupt aus der Zeit, in der immerhin die „Klassiker der Moderne“ mit Strawinski, Bartók, Hindemith, Schoenberg, Britten und Schostakowitsch lebten, weitere Blockflötenmusik, die auch heute noch der Aufmerksamkeit wert ist und die es sich lohnt, zu üben und aufzuführen? Immerhin handelte es sich, wie in der Dissertation von Peter Thalheimer nachzulesen, zudem um eine ausgesprochene Boom-Zeit der Blockflöte, zumindest was Verkauf und Verbreitung des Instruments betrifft!
Wie dem auch sei: man findet tatsächlich einige Kompositionen, denen man schwerlich „spielmusikalische“ Anspruchslosigkeit oder kompositorische Tiefstapelei vorwerfen kann.
Höchst erstaunlich in dieser Hinsicht sind ja vor allem die bereits seit langem edierten Suiten von Helmut Bornefeld aus dem Jahr 1930!
Bornefeld war übrigens ein enger Kollege und Geistesverwandter von Siegfried Reda (1916–1968). Möglicherweise hat er letzteren auch angeregt, ebenfalls Solowerke für die Blockflöte zu komponieren.
Stilistisch und kompositionstechnisch darf man nicht die genannten „Klassiker der Moderne“ als Referenz heranziehen, sondern eher die qualitätvollen Kompositionen aus dem Bereich der evangelischen Kirchenmusik, etwa von Hugo Distler und Ernst Pepping.
Der vor allem durch Orgel- und Chormusik ausgewiesene Siegfried Reda hatte (wir wissen nur: vor 1947) offenbar für seine Frau Elisabeth zwei Sonaten für Blockflöte komponiert, die für eine Publikation im Bärenreiter-Verlag vorgesehen waren. Eine Sonate für Blockflöte in F ist dort auch erschienen und kann heute bei imslp.org heruntergeladen werden.
Die hier vorgelegte Solo-Sonate für C-Flöte ist jedoch nie veröffentlicht worden. Thalheimer hat das autografe Manuskript in der Frankfurter Senckenberg-Bibliothek gefunden und hier zum ersten Mal herausgegeben. Ob es sich bei der Bezeichnung „C-Flöte“ um eine Sopran- oder Tenorblockflöte (oder beides im Wechsel) handelt, ist nicht geklärt.
Wenn wir uns heute bemühen, die adäquaten historischen Instrumente für die jeweilige Musik zu benutzen, müssten wir für diese Musik eigentlich Harlan-Flöten mit sogenannter „deutscher Griffweise“ verwenden!
Wie dem auch sei: beide Sonaten von Reda sind technisch durchaus anspruchsvoll und erfordern intensives Studium – stilistisch in einer jedenfalls für heutige Blockflötisten völlig unüblichen Sprache, der man sich zweifellos erst annähern muss.
Ob die Sonaten Einzug ins gängige Blockflötenrepertoire halten können, hängt sicher davon ab, ob sich ihrer hervorragende Interpretinnen oder Interpreten ernsthaft annehmen werden, Recherche aufführungspraktischer Hintergrundinformationen eingeschlossen.
Einen Versuch scheint es mir allemal wert zu sein!
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